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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 413

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 413 (sequence 13)
Language
German
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413 deutung verlangenden Platz macht. Es ist da ein Rest, der mit der rein wissenschaftlichen Einordnung der Persönlichkeit in das zeitgenössische Judentum ungelöst bleibt. Kittel hat ohne dogmatische Prägung das aus dem Judentum Herausführende von den seelischen Voraussetzungen des christlich Denkenden gezeichnet, und der Jude wird es von den seelischen Voraussetzungen des jüdisch Denkenden tun müssen, beide Zeichnungen werden sich berühren und gegenseitig ergänzen. Es ist Kittels Verdienst, daß er, ohne das Judentum zu schmälern, Jesus und das Urchristentum zu schildern versucht, es wird aus seiner Methode des Forschens viel Segen für alle Teile erblühen können, und es ist zu wünschen, daß sie Schule macht und daß beide Schriften viel gelesen ־werden. Kenntnisse auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums verlangt er als unumgänglich notwendig zur Erkenntnis der Probleme der neutestamentlichen Zeitgeschichte. Diese Kenntnisse müssen natürlieh an der Quelle erlernt und erprobt werden. Für den, der die Quellen nicht oder noch nicht kennt, liegt von F i e b i g1 ein Hilfsbuch vor. Es will die gesamte Umwelt des N. T. in Quellentexten erschließen, nicht nur die jüdische. Uns interessiert hier naturgemäß nur die jüdische. Mit Dank und Anerkennung sei vermerkt, daß ein reichhaltiges Material zusammengestellt ist, aus dem der Anlänger vielerlei lernen kann. Einzelne Richtigstellungen sollen den Wert nicht verkleinern. Bei den aggadischen Stellen fehlt vielfach die Quellenangabe. Die Uebersetzung ist nicht immer glücklich, weil sie zu wortgetreu ist. Allzu wortgetreues Uebersetzen kann für den, der die eigentümliche Sprache der Aggada nicht kennt, zu einem Hemmnis des Verstehens werden. Es ist z. B. irreführend, לחש da, wo es als terminus technicus für ״beschwören“ steht, mit ״flüstern“ zu übersetzen, nur deshalb, weil das die Grundbedeutung ist. גשמי נדבה kann man nicht mit ״Regen der Freiwilligkeit“ übersetzen, sondern in Parallele zu Ps 68^ ״Regen, der Gnade in sich birgt“. Die Mischna Taanit 38 ist nicht richtig wiedergegeben. Es darf nicht heißen: ,,Da kam er ordnungsgemäß herab, bis die Israeliten her au!gegangen waren von Jerusalem zum Berg des Hauses wegen des Regens,“ sondern es ist sinngemäß so zu übersetzen: ״Nun fiel der Regen, wie es sich gehört. Schließlich mußten die Israeliten zum Tempelberg wallfahren, weil er nicht aufhörte.“ Für den Aus- Spruch R. Jochanan ben Sakkai’s über R. Chaninaben Doso: ,,er gleicht einem Knecht vor dem König:, ich aber gleiche einem Fürsten vor dem König“, gibt F. eine sehr gewundene Erklärung. Die richtige ist wohl, daß gesagt werden soll, Chanina gehe vor Gottes Angesicht ein und aus wie ein vertrauter Hausgenösse, der jederzeit Zutritt habe, während er. Jochanan, nicht die Sicherheit des sofortigen Zutritts habe. Warum ist der Folterknecht, der Chananja ben Teradjons Qual auf dem Scheiterhaufen lindert, ״Exekutor“ genannt? Das kann schöner und deutscher ausgedrückt werden. Die erste der unter ״Wundergeschickten“ übersetzte Anekdote ist keine Wundergeschichte und fälschlich darunter eingereiht. Arg irreführend ist die Wiedergabe der Gelübdeformel mit folgender Wendung: ״Qorban (d. h. Opfergabe) (soll sein), was du von mir als Nutznießung (etwa) haben solltest.“ Wer das liest, könnte meinen, es sei möglich, einem, der ein Nutznießrecht an einer Sache hat, dies hinterlistig zu entziehen, indem man die Sache dem Heiligtum weiht, was aber nirgends möglich war, möglich war nur, eine Sache, die einem ganz und gar gehörte, dem Heiligtum zu weihen, dann konnte ein anderer eine Nutznießung oder irgend einen Genuß daran nicht mehr haben. Der Irrtum Fiebigs kommt daher, daß er Markus 11X als Quelle dafür ansetzt. Dort ist es allerdings ten- 1 Die Umwelt des Neuen Testamentes von D. Paul Fiebig, Göttingen, Vandenhoek und Rupprecht 1926. 86 S.

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