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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 7 · p. Seite 407

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 7
Article
Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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407 nichts ist, was nicht in der gleichen Höhe in dem zeitgenössischen Judentum möglich gewesen wäre und durch gelegentliche Aus- Sprüche, Bemerkungen .und Deutungen als in den Köpfen der Führer lebendig nachweisbar wäre. So werden Kittels Ausführungen in einem erfreulichen und selten gewohnten Maße dem Judentum gerecht. Besonders gelungen ist die Untersuchung, die er anstellt, um für gewisse Teile des N. T., von denen man zumeist annahm, sie seien gänzlich auf dem Boden des hellenistischen Judentums erwachsen, aus dem Sprachkolorit den Nachweis des innigen Zusammenhanges mit dem palästinischen Judentum und der Diktion des Rabbinismus zu erbringen1. Mit Genugtuung liest man, um eine Einzelheit noch hervorzuheben, wie Kittel bei der Zitierung der bekannten Erzählung von dem Heiden, dem Hillel das Wort: ,,Was dir unlieb ist, das tu du niemand an“ als Inbegriff der jüdischen Lehre benennt, die Rede zurückweist, mit der andere hier so oft eine Unterlegenheit des Judentums zu konstruieren vermeinten, daß die negative Fassung, die hier gewählt ist, geringwertiger sei als die positive, die Jesus auf genommen hat. Worin nun findet Kittel das Eigenartige und Neue des Christentums? Ehe das gesagt wird, wird es notwendig sein, auf Bemerkungen einzugehen, die man auch gegenüber einem das Judentum so gerecht beurteilenden und wahrhaft wissenschaftlichen Forscher nicht unwidersprochen lassen darf. Es ist zunächst die Auswertung der halachischen Midraschim, bei der ihm ein entscheidendes Mißverständnis unterläuft. Er anerkennt zwar die Höhenlage der Ethik einzelner Vertreter des Rabbinismus, die in der Erfüllung der Gebote der Nächstenliebe keinen Unterschied kennen zwischen Volksgenossen oder Fremden, aber er meint doch, sagen zu dürfen, daß die durchschnittliche Frömmigkeit einen solchen machte und für gerechtfertigt hielt, und sucht das zu erhärten durch Hinweise wie z. b. auf ספרא zu in. m. 20, wo zu לרעהו mehrfach sich die Auslegung פרס לאחרים findet. Nun braucht man sich nicht zu scheuen, :zuzugeben, daß man gelegentlich Worte und Handlungen findet, die sich kräftig gegen den Feind, wohlgemerkt den agressiv und feindlich eingestellten, nicht etwa gegen den Volksfremden schlechthin wenden, in dem langen Zeitraum über den die rabbinische Literatur sich erstreckt, hatte das Judentum soviel böswillige und schwere ihm zugefügte Kränkungen zu erdulden und hatte soviel Feinde ab- .zuwehren, daß viele Dinge als Kampfmaßnahmen vorgenommen werden mußten, und die Zeit der halachischen Midraschim erforderte vielfach Abwehrmaßregeln; aber bei jenen akademischen Deutungen handelt es sich ja gar nicht um sittliche Wertungen, sondern um praktische Rechts findung. Da geht es um die Frage, ob auf bestimmte Handlungen bestimmte Strafen verhängt werden müssen oder dürfen, Fragen, die nur aus der Staatsordnung und bestimmten Gegenseitigkeitsverbürgungen hier zu beantworten sind, die eine Gleichartigkeit der Rechtshandhabung voraussetzen, die 1 Für Jakobus-Brief 35-6 könnte der von Kittei geführte Beweis noch •ergänzt werden durch den Hinweis auf die enge Verwandtschaft des dort von der Zunge Gesagten mit wajikra rabba 33r

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