Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 der Jünger Jesu “bereit sein, von Jedem den Schlag hinzunehmen und da״ hinter den väterlichen Erziehungsplan Gottes zu sehen. Es schweige jede Kritik, ob der Verf. hier dem Sinn der Bergpredigt gerecht wird, was aber den Hinweis auf das rabbinische Schriftum und die in so seltsamer Deduktion vorgenommene Verknüpfung: mit dem falsch übersetzten Bibelwort anlangt, so kann man nur sagen, wüßte man nicht, daß ein ernstmeinender Forscher solches schreibt, man könnte denken, daß irgend ein Ulk vorgenommen werden sollte. Zu diesen Irrtümern und schiefen Auslegungen treten handgreifliche Fehler und Flüchtigkeiten. Es heißt Matth 548 ,,Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Dieses vollkommen, das Gegenwert des hebräischen תמים ist, wird auch immer im Sinne von ,,vollkommen,“ genommen. Bornh. will ihm einen anderen Sinn geben. Dabei geht er von dem griechischen Text aus, der hier ziXzioc, hat; dieses ziX&.oz finde sich auch als Gegenwert von 5. B. M. 181? für תם. Die Bedeutung von תם aber sei ersichtlich aus der Mischna, wo dem vielfach stößigen Ochsen, dem מועד, der bisher harmlose als תם entgegengesetzt ist. Dem מועד entspricht das griechische xovyjpdt; — wo? — so ergibt sich für חם — der Gegenwert das ,,gut“ in dem Sinne, wie wir von einem frommen Pferde reden. So baut sich die ganze Beweisführung auf dem Gegenwert zekzioc, חם nach 5. B. M. 1813 auf, dort aber steht gar nicht תם sondern תמים, und das Ganze stürzt wie ein Kartenhaus zusammen. Die hier zutage tretende Leichtfertigkeit der Schlußziehung ist im Grunde das Kennzeichen der ganzen Darstellung, man kann nur zusammenfassend sagen, als Versuch einer zeit•־ genössischen Auslegung der Bergpredigt ist das Buch mißglückt. Es ist keine Bereicherung unseres Wissens, obgleich es in seiner Absicht der Erkenntnis der wahren Zusammenhänge von Urchristentum und Judentum aufgeschlossener ist als viele Schriften der gleichen Art. Eine klarere und wohltuend wärmere Atmosphäre umweht den, der in den Bannkreis zweier anderer Bücher tritt. Sie stammen beide von einem Verfasser, Gerhard Kittel. ,,Die Probleme des palästinischen Spätjudentums und des Urchristentums“1 nennt sich das eine, ,,Jesus und die Juden“2 das zweite. Das erste ist eine bei aller Kürze und Gedrängtheit der Darstellung groß angelegte Schrift. Eine Aufzählung der Kapitelüberschriften zeigt schon, daß der Verf. das schwierige Problem von den verschiedensten Seiten her beleuchtet. Es wird behandelt: das Quellenproblem, die Geschichte der Forschung, die Realien, das sprachliche, das literar- und formgeschichtliche, das religions geschichtliche und das religions vergleichende Problem. Dankbar muß anerkannt werden, wie vieles auch der Fachgelehrte und mit dem Gegenstand Vertraute aus der klaren und übersichtlichen Darstellung lernen kann. Das zweite ist eine kleine Schrift, wesentlich bestimmt, auf studentische Kreise zu wirken, erscheint als Heft 2 der ״Stimmen aus der deutschen christlichen Studentenbewegung“, ist das erste von einigen innerlich zusammengehörigen Heften der ,,Stimmen“, in denen vom Standpunkte des biblischen Christentums aus zur völkischen Frage Stellung genommen wird; es ist dem größeren Buch innerlich verwandt und im Grunde ein Auszug aus dessen zwei letzten Kapiteln. So werden wir denn auch beide hier gemeinsam werten können, wo eines besonders hervorgehoben werden soll, seien sie mit I und II benannt. Kittel ist in diesen Büchern ein Zeuge der Wandlung, die sich in der neutestamentlichen Forschung vollzieht. Sie hatte bislang 1 Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1926^ 200 S. 2 Furche-Verlag Berlin 1926, 40 S.