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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 384

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1927-01-01
Page
Seite 384 (sequence 14)
Language
German
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384 vieler Zitate aus Geschichte und Talmud, in welch hohem Ansehen das Handwerk stets unter den Juden stand. Ein wichtiges Dokument zur Charakteristik Rapoports, der bei aller Achtung vor modernem Wissen kein Tüpfelchen vom historischen Judentum preisgeben möchte, ist sein poetisches Hauptwerk Sch'erit Jehudah (Bikkure — Haitim 1827, S. 173—254). Wie bei allen seinen größeren Werken ist auch hier die Vorrede besonders bemerkenswert. Bei der derzeitigen Zerrissenheit im Judentum, so führt Rapoport aus, die dem Einfluß zweier berühmter Männer zuzuschreiben sei, dränge sich jedem die Ueberzeugung auf, daß für die Erhaltung der Nation und des Gesetzes uns vor allem eine Eigenschaft nötig ist: Liebe zum jüdischen Volke! Dieser Hauptzweck lasse sich aber durch nichts besser erreichen, als durch das Lobpreisen Gottes für alle den Juden erwiesenen Wohltaten und das Erzählen der Lebensgeschichte auserwählter Männer in hebräischer Sprache. Eines der größten und wohltätigsten Ereignisse in der ganzen jüdischen Geschichte sei unstreitig der Ness Purim. Während aber alle Feiertage in der Liturgie ihre ihnen speziell gewidmeten Hymnen hätten, die dazu geeignet seien, auf das Herz zu wirken, seien die Purimgesänge außerordentlich schwerfällig. ׳ Ja, es habe sich unter den Juden die Unsitte eingeschlichen, an diesem Tage Possen auszuführen, in denen ehrwürdige Personen, z. B. die des Mordechai, lächerlich gemacht würden. So habe er sich entschlossen, das Racinesche Drama ״Esther“ zu bearbeiten. So weit wie möglich, erklärt Rapoport, habe er sich an das Original gehalten und die Gesetze des französischen Dramas beachtet, die die Einheit des Ortes und der Zeit fordern. Gemäß diesen Gesetzen habe Racine zuweilen die Chronologie der biblischen Erzählung außer Acht gelassen. So habe er z. B. Mordechai, anstatt ihn durch Hat ach mit Esther verkehren zu lassen, unmittelbar vor der Königin erscheinen lassen. Hier müsse er als Jude korrigieren und sich genau an die biblische und talmudische Tradition halten. Dazu habe er in der Rede Esthers, die den endgültigen Sturz Hamans herbeiführt, Eigenes über den Wert Israels hinzugefügt. Diese Einschaltung Rapoports findet sich im Akt. IV, Sz. 4, und entspricht dem Original III, 4. Sie enthält in schöner Sprache eine Apologie des Judentums und kann größtenteils auch auf die heutigen Verhältnisse angewendet werden. Insgesamt ist Rapoport von dem französischen Original in folgenden Punkten abgewichen: 1. Er hat den Stoff, der im Original in 3 Akte eingeteilt war, in 4 Akte gegliedert. 2. Er hat aus religiösen Gründen die biblische Chronologie berücksichtigt. 3. Er hat die Figur des Eunuchen Hatach, die der Höfling Racine aus Anstandsrücksichten eliminiert hatte, wieder eingeführt und Hatach der Tradition gemäß zum Juden gemacht. Im übrigen vermeidet Rapoport alles, was bei den Frauen Anstoß erregen kann. . Ahasverusist zwar nach Talmud und Midrasch ein Bösewicht und Judenfeind, die Regeln des Anstands wären aber verletzt worden, wenn jemand in seinem eigenen Palast und vor seinem Lieblingsweibe über ihn als Schurken gesprochen hätte. Nichtsdestoweniger erscheint Ahasverus im Stücke — der Interpretation unserer Weisen gemäß — als inkonsequenter König.

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