Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 13)
- Language
- German
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383 Deshalb schärft er ihm ein, ja Maimonides zu studieren und dabei folgenden Lehrgang einzuhalten: Zuerst gründliches erschöpfendes Studium der wunderbaren Hakdamah zu Seder Seraim, später fleißiges Lesen im Mischnakommentar, vorzüglich aber in der Vorrede zu jedem Seder. Darauf Beschäftigung mit den Sch'moneh PTakim, dem Kommentar über den Traktat (Abot und mischnat Kol Israel). Jetzt erst könne er sich an den More ISTbuchim heranwagen. Der müsse ganz durchgearbeitet werden. Ein etwas schwierigeres Kapitel dürfe nicht am weiteren Fortschreiten hindern, das Spätere erkläre oft das Vorangehende. Auch das Wenige, das ihm anfangs einleuchte, werde wertvoll sein, und mit der Zeit werde er alles verstehen. Die Kommentare solle er einstweilen lassen, weil sie für den Anfang zu schwierig seien. Zum Schluß wird das Studium des Deutschen empfohlen, der Sprache, die vom Ysop an der Wand ebenso wie von der Zeder des Libanon, vom dünnen Stäubchen wie von den hehren Welten in leichtfaßlicher Weise rede. Den Höhepunkt für Rapoport, den Maskil und Schöngeist bilden, sein Brief über die Zulässigkeit der profanen Studien bei den Juden, der ihn in eine Reihe mit Wesseli, Reggio und Levinsohn stellt, sowie sein größtes gediegendstes poetisches Werk Sch'erit Israel. Der besagte klassische Brief befindet sich in den Bikkure-Haitim für das Jahr 5588 (S. 9ff.) und ist an einen Freund gerichtet, den Rapoport einen Maskil von klarem Verstand nennt. Trotz dieser Qualitäten war der Freund genötigt gewesen, ihn anzufragen, ob er seinem Bruder gestatten solle, Sprachen und Wissenschaften, insbesondere die Arzeneiwissenschaft, zu studieren oder irgend ein Handwerk zu erlernen. Der Bescheid gestaltet sich zu einer förmlichen Abhandlung, wie dies überhaupt bei den damaligen Maskilimhäuptern fast immer der Fall ist. Er übertrifft an Gelehrsamkeit und Vielseitigkeit das von der Berliner Haskala, besonders für die slawischen Juden aufgestellte Programm in Wesselis Dibre Schalom W'emet und dürfte auf das Programm der russischen Haskala, auf Lewinsohns T'uda bTsrael wenigstens der Form und dem Inhalte, wenn auch nicht dem ■ besonderen Anlasse nach, nicht ohne Einfluß geblieben sein. Rapoport weist nach, daß von griechischen wissenschaftlichen Werken, namentlich des Aristoteles, nur die verboten waren, die unserer Religion widerstrebende Ansichten enthielten. Nichtsdestoweniger sei die Zahl derer, die die übrigen Schriften studierten, ungeheuer groß. Zur Zeit der griechisch-römischen Herrschaft hätten die Rabbiner den damals üblichen syrischen Jargon verworfen und den Gebrauch des Griechischen empfohlen. Das Syrische sei damals veraltet gewesen und nur vom Pöbel gesprochen worden, wie heute der deutsche Jargon in Polen. Auch in Polen sollte man sagen: Lschon j ,hudit deutsch be-Erez Polonia Tmah? O?schon hakodesch o!,schon Polonia! Dann beweist er, daß bei den Juden das Studium der profanen Wissenschaften stets erlaubt gewesen sei und geblüht habe. Und betreffs der medizinischen Kenntnisse der Chachme ha-Talmud erklärt er, die Juden hätten auf diesem Gebiete umfassende Werke geschrieben; nur seien sie während des Exils verloren gegangen; die Völker hätten sie gefunden und nach kleinen Abänderungen als die ihrigen ausgegeben. Schließlich zeigt er an Hand