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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 381

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1927-01-01
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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381 im zweiten der Erzieher Rapoport entgegentritt. Der Ner mizwah ist an den Sohn eines reichen Rabbiners, den Sproß einer ganzen Reihe von Gaonim gerichtet, der schon früh das ganze Wissens״ gebiet ־and den Wirkungskreis eines künftigen Raw kennen gelernt, dabei aber viel Scheinheiligkeit und Heuchelei, viel Pilpul und wenig Moral bemerkt hatte. All das hatte den jungen Menschen zurückgestoßen und weil er nicht vom Pfade der alten Weisen hatte ab weichen wollen, hatte er sich den Chassidim zugewandt, jener Sekte, die die Reaktion gegen das Ueberhandnehmen des Pilpul bedeutete. Rapoport schildert ihm nun, wie es zu diesem Ueber״ wuchern des Pilpul gekommen sei. Der Endzweck der Mischna, sowie der den ganzen halachischen Stoff zusammenfassenden Werke des Fasi, des Maimonides, des Ascheri und des Beth Josef habe darin bestanden, jeden Zweifel, jedes Schwanken im praktischen Gebrauch unmöglich zu machen. Die Achronim hätten aus verschiedenen Gründen, manchmal Tschem Schamajim, manchmal aber, um auf billige Weise Autorenruhm zu ernten, Bücher auf Bücher, gehäuft, in denen sie den Kadmonim Aeußerungen zumuteten, die ihnen nie eingefallen seien. Diese Pilpul״ und Schreibsucht befriedige mit Recht viele junge Leute nicht, die deshalb zu den Chassidim über״ gingen. Daneben sei einanderer Grund für diesen Abfall zum Chassidismus anzuführen: Junge, gottesfürchtige Männer kämen in eine fremde Gegend, unter verbrecherisches Gesindel. Um nun sich und die ihrigen nicht ins Unglück zu stürzen, schlössen sie sich den Chassidim an. Aber, so warnt Rapoport seinen jungen Freund, die Chassidim sind anders als sie scheinen! Der Mensch diene Gott auf zwei Arten, mit dem Verstand und mit werktätiger Arbeit. Mai״ monides habe dem Verstand den Vorzug gegeben. Spätere Größen, Nachmanides, R. Chasdaj, Rabbi Josef Albo, Delmedigo hätten Entwicklung der geistigen Fähigkeiten und gute Taten verlangt. In den letzten hundert Jahren habe sich nun in Polen das Vorurteil verbreitet, nur gute Taten seien heilsam, geistige Tätigkeit aber schädlich. Diese Auffassung sei entstanden, weil viele eingesehen hätten, daß der Pilpul der zeitgenössischen Rabbiner ein Abweichen vom geraden Wege bedeute. So hätten die Chassidim gute Werke gefordert, hätten aber nicht Pflichterfüllung gegenüber dem Nächsten und Gott verlangt, sondern neue Gesetze aufgestellt, die unsere Vorfahren nicht gekannt hätten. Fünf Mizwot ständen im Vorder״ grund: 1. Lärmendes Beten, Veränderung des Gebetsritus; 2. Besuch des Rabbi; 3. Besuch der Mikwah. (Dieser Brauch stammt von den türkischen Juden); 4. vielfache Reinigung an jedem Tage; 5. die Peot müssen hinter dem Ohr getragen werden. Wer diese 5 Mizwot halte, sei ein Chassid, auch wenn er ein Trunkenbold ist, der einen unsitt״ liehen Lebenswandel führt. Nicht besser stehe es mit den Großen und Heiligen der Chassidim. Viele seien naive Heuchler, die zu ihrer Stellung etwa auf folgende Weise kamen: Ein Jüngling hat trotz eifrigen Talmudstudiums keinen Erfolg; so verwirft er die Verstandesübung und preist die Werktätigkeit. Da asketische Uebungen wie vormals jetzt nicht mehr nötig sind, hat er es leicht. Essen, Trinken, Fröhlichsein, warme Bäder und Mikwah reichen aus. Dann betet er mit starker Stimme und mit

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