Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 10)
- Language
- German
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380 reichischen Aufklärung und der durch Bonapartes Siege mächtig vordringenden französischen Kultur öffneten. Die idyllischen ,,Kostjahre“ verwendet der junge Gelehrte, der durch seine Hagahot zu dem Werke Abne-mluim seines Schwiegervaters, des damaligen Stryjer Oberrabbiners, in talmudischen Kreisen bereits Berühmtheit erlangt hatte, dazu, sich eine vielseitige Bildung anzueignen. Er steht bald an der Spitze des Lemberger-Maskilimkreises und bringt über die galizischen Maskilim jenen Sturm, der ihr und ihres Meisters Leben in neue Bahnen lenken sollte. Jetzt begann für Rapoport eine Reihe innerer und äußerer Kämpfe, während deren Verlaufs, er dem Judentum die kostbarsten Geisteswerke schenkte. Nachdem er von 1814 bis 1828 in einer Reihe kleiner Abhandlungen und Gedichte meist den kampfbreiten Maskil und Schöngeist hervorgekehrt hatte, trat er 1829 in den Bikkure-Haitim mit seinen ,,Bio־ graphien“ hervor, die ihm den begeisterten Zuruf der gesamten jüdisch europäischen Gelehrtenrepublik und die heiße Freundschaft Samuel David Luzattos eintrugen. Die kämpf- und arbeitsreichen Jahre von 1816 bis 1837 hatten ihn gestählt, aber doch den Wunsch nach Ruhe in ihm geweckt. In Tarnopol, wohin er durch den unvergleichliehen Alleinherrscher der galizischen Aufklärung, Josef Perl, berufen wurde und wo er 3 Jahre hindurch (1837—1840) die Ausbrüche des wildesten Fanatismus zu erleiden hatte, konnte er diese Ruhe nicht finden, wohl aber auf dem Prager Rabbinerstuhl, den er von 1840 bis zu seinem am 19. Tischri 5628 (1867) erfolgten Hinscheiden inne hatte. Indes erinnern die Werke des Prager Oberuristen nur vereinzelt an die Größe des Hauptes der Lemberger Maskilim. Salomon Löb Rapoports Wesen wurzelte im heimatlichen Boden und konnte nur in der sturmgepeitschten Atmosphäre der galizischen Haskala gedeihen. Rapoport ist vor allem der Maskil, der sein Volk mit allen Fasern seines Wesens liebt, der dessen geistigen und materiellen Aufschwung und seinen Anschluß an die Gesamtheit der Kulturnationen wünscht. Nicht weniger gilt seine Verehrung dem im Laufe einer wunderbaren, uralten Geschichte gewordenen jüdischen Geist, wie er in einer Reihe großer, geschichtlicher Persönlichkeiten in Erscheinung trat. Dem Walten dieses Geistes nachzuspüren, die hehren Bilder der großen, vorbildlichen J’hudim aus dem Schutt der Jahrtausende herauszugraben, das ist nächst seiner Erzieherarbeit seine wichtigste Lebensaufgabe. Im Verlaufe der Ausführung dieser Aufgaben erwies es sich ihm auch als notwendig, alle Versuche abzuwehren, die dahin zielten, die Reinheit der jüdischen Lehre durch extrem mystische oder extrem rationalistische Deuteleien zu trüben. Aus dieser kurzen Ausführung resultiert die Notwendigkeit einer dreifachen Würdigung Rapoports als Maskil, des Gelehrten und Polemikers. Für Rapoport den Maskil und Erzieher sind besonders zwei Schriftstücke charakteristisch. Das erste aus dem Jahre 1815. — ,,Ner mizwah dibre igeret el isch zair le-jamim gadol ba Thorah . . . ascher niss״chasedff lautet sein Titel — ist das früheste und wichtigste Zeugnis für seine Stellung zum Chassidismus1, während uns 1 Naehlat «Thudah Machberet Rischona ner mizwah w’or Thorah. Krakau schnat b3 r, eh. 0. t. Budweiser 1868,