Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 376

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1927-01-01
Page
Seite 376 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829949-2834193--47809-2834270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

376 umarmt das Theater, der eine läuft der Behörde nach, der andere strebt zum Rabbinate, beiden aber war die Weisheit entweder Gesichtslarve oder Gegenstand des Zertretens. Da erbarmte sich Nachman seines Volkes und bereitete eilig Balsam für seine Wunden und ergoß auf seine Brüder von seinem heiligen lautem Geiste und schrieb das Buch der geläuterten Lehre, — damit sie das absolut Wahre kennen imd das Gute und Gerade vollführen — Das Buch besteht aus 17 Kapiteln, welche in drei Hauptteile zerfallen. Das eigentliche Werk besteht nur aus 10 Kapiteln, die Kapitel 11—17 dienen der Erläuterung der vorangehenden. Der erste, aus vier Kapitel bestehende Teil beschäftigt sich mit Philosophie und Religionsforschung im allgemeinen und setzt mit der Aufstellung des Satzes ein: der wahre Glaube und richtige Gottesdienst wird durch drei verderbliche Richtungen geschädigt: Durch Schwärmerei, Aberglauben und Werkheiligkeit. Die, welche diesen Richtungen entfliehen, verfallen drei anderen Schädlingen. Wer die Schwärmerei flieht, leugnet oft die Existenz des Geistigen, auf der Flucht vor Aberglauben geht der Glaube verloren, mit der Werkheiligkeit wirft man alle Mizwoth über Bord. Die Chochmath-Hathora wird eingeteilt: 1. in Maaße-Merkaba — Kenntnis des Wesens des Geistigen und des Intellektes; 2. Maaße-Bereschith — Natur- Philosophie; 3. Sod Taame Thora — die innere Bedeutung der Gesetze und der Anhänglichkeit des Menschen an Gott. Die Abweichungen von diesen drei Teilen der Chochmath-Hathora entsprechen den oben gekennzeichneten drei schädlichen Richtungen. Nur durch die Arbeit des Intellektes können wir zu Ideen gelangen. Die Natur des Intellektes ist: das Erforschen und Sich vertiefen in erhabene Fragen, das Anprallen an notwendige, sich widersprechende Gesetze, denen weder nach rechts, noch nach links zu entrinnen ist. Hier reicht uns Aristoteles Einschränkung in der Definition des Guten, den Mittelweg zwischen den Extremen zu suchen, nicht hin. Wir müssen durch Nachdenken zum Urgrund der Dinge Vordringen, in welchem alle Gegensätze ausgeglichen werden. Vom zweiten, den Zweck in der Natur untersuchenden Teil (Kap. 5 u. 6) geht Krochmal zu dem dritten und wichtigsten Teil seines Werkes, Kap. 7—10 über, welcher das Geistige bei den einzelnen Völkern im allgemeinen und beim jüdischen Volke im besonderen charakterisiert. Die Völker entwickeln sich (Kap. 7) durch Erwerbung individueller geistiger Gaben. Der ganze von einem Volke gesammelte geistige Besitz ist sein Volksgeist. Dieser Geist wächst und entwickelt sich, wird dann schwach und hinfällig, Wollust, Herrschsucht und Aberglaube sind seine Verderber. Diesen allgemeinen Volksgeist nennt man den Gott des betreffenden Volkes oder seinen Oberherrn. (Sarö schel maalah). Alle Völker unterliegen dem Speziell-Geistigen. Bloß das jüdische Volk erkannte durch seine Propheten das Absolut-Geistige, den Urquell des geistigen Seins. Die drei Entwicklungsphasen eines jeden Volkes: Wachstum, Höhepunkt und Niedergang sind auch an uns vorübergegangen. Jedes Mal aber erneute sich der jüdische Geist in dem ihm innewohnenden absoluten Geiste, Krochmal beabsichtigt diesen Satz an dem Verlaufe der gesamten jüdischen Geschichte nachzuweisen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.