Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829949-2834193--47807-2834268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
374 seiner Tochter am 31. Juli 1840, am 6 Aw. Er hatte denselben Geburtstag wie Moses, denselben Sterbetag wie Aron, er hinterließ vier Kinder: Josef, geboren 1812, praktischer Arzt in Rußland, Verfasser einer Lebensskizze seines großen Vaters, Kunigunde, Frau des Arztes Dr. Nathan Horowitz in Tarnopol, außerdem eine Tochter, die kurz nach ihrem Vater starb und einen Sohn Abraham, welcher der Philosoph der radikalen galizischen Haskala werden sollte. Während seiner Lebenszeit ist von Krochmal sehr wenig gedruckt worden: Kleinigkeiten׳in ,,Sulamith“ für 1818 und in Letteris ,,Hazefirah“ für das Jahr 1824, eine Polemik, gegen Samuel David Luzatto und Fragmentarisches aus seinem großen Lebenswerke irn vierten und fünften Bande des ,,Keren Chemed“. Bei aller seiner großen Gelehrsamkeit besaß der Weise von Zolkiew, wie alle Maskilimhäupter jener Zeit, auch eine poetische Ader. Wir besitzen von ihm im ersten Hefte des ,, Jeruschalaim“ (£01kiew 1844) eine in wunderbar schönem biblischem Stile abgefaßte poetische Parabel ,,,Moschul-musar,“ die zwar aus Franklins Lebensbeschreibung herrührt, die aber durch Sprache, Bearbeitung und Gesinnung Krochmals persönliches Eigentum geworden ist. Gott lehrt hier den Urvater des jüdischen Volkes, der einen hochbetagten Wanderer ob einer Gotteslästerung hochentrüstet aus seinem Hause weist, die wahre Toleranz mit den Worten: Wie, ich habe mich mit ihm 190 Jahre vertragen, habe ihm Wohnung und Kleidung gereicht und Du, der Du selber sündigst, konntest Dich mit ihm nicht eine Nacht vertragen? Sehr charakteristisch für den großen Weisen ist Krochmals Polemik gegen Samuel David Luzatto (Keren Charned IV, Brief 27). Krochmal fertigt hier Luzatto wegen seiner Ausfälle gegen Maimonides ab. Was die ,,Roim“ mit Tosen und Lärmen getan, das tut Krochmal, wie ein echter Weiser, ruhig, sachlich, wissenschaftlich, die einzelnen Punkte durchgehend. Wir erkennen hier den Wahlverwandten des zweiten Moses, der alle Bedingungen besaß, der Moses der polnischen Juden zu werden. In der Einleitung lobt Krochmal den Schriftleiter, daß er kein strenger Richter der Meinungen seiner Mitarbeiter sei. Das Schlechte werde selbst vergehen, das Gute bleiben. Dennoch müsse er sich einmischen in den Streit um S. D. L., der die großen Israels vergangener Zeiten angreife und so den Feinden Waffen in die Hand liefere. L.s Vorwürfe gegen Maimonides seien weder neu noch tief, sondern alt und abgedroschen, zumal diejenigen über die Auferstehung. Dieser Glaube sollte ja nur dazu dienen, das Volk allmählich an den subtilen Unsterblichkeitsglauben zu gewöhnen. Ebenso hinfällig seien die Einwendüngen gegen Ibn Esras Engellehre. Er müsse hier aus Rücksicht für L.. den er doch nicht znm Heuchler stempeln wolle, ihn in bezug auf Unsterblichkeits- und Engelsglaube, der großen Masse zuzählen, welche im Kinderglauben befangen, den geheimen Sinn der Visionen Jesajas und Ezechiels nicht verstehe. L.s Vorwurf, nach Maimonides könne der Philosoph ehebrechen, stehlen und morden und doch der ewigen Seligkeit teilhaft werden, sei nicht stichhaltig. Tierische Leidenschaften machen ja höhere Intelligenz unmöglieh, sogar, wer aus Eigennutz sich der Forschung hingebe, könne inetaphysischer Wahrheiten gar nicht teilhaft werden. Im allgemeinen stimme ja jede Religionsphilosophie mit der Ethik des moralischen, gottesfürchtigen Mensehen überein. Der Gegensatz aber, welcher infolge oberflächlicher Anschau־ ung zwischen den Gesetz- und Verstandesvorstellungen obzuwalten scheine, bilde eben die nebucha — der Lieblingsausdruck Krochmals, — die Maimo-