Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Sefer Maharil
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 7)
- Language
- German
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des Trauergefoiges und trug mit seinem Sohn an der Bahre. Die Mitträger hieß er langsam gehen und sich nicht beeilen. Im ״מטהר Hause setzte man die Bahre auf den Erdboden, Sohn und Tochter saßen klagend neben ihrer Mutter, während der Rabbi die Anweisung gab zur Herrichtung des Sarges. Dann hub er mit lauter Stimme צידוק הדין an, der Sohn zu seiner Linken und die ganze Gemeinde sagten leise mit. Darauf trugen die Trauernden, wie vorher, den Sarg bis zum Grabe, stellten ihn auf den Boden und blieben zu Häupten der Toten stehen. Der Rabbi nahm das Messer und schnitt oben in alle Kleider seines Sohnes ein, außer in das Hemd, und hieß ihn selber alle Einschnitte nachreißen bis zur Stelle des Herzens; er selbst machte sich den Riß auf der rechten Seite des Halses. Seinen Kindern verwehrte er, in den Sarg zu blicken in dem Augenblick, da man ihn öffnete, um die Tote richtig zu betten. Als man den Leichnam ins Grab gelegt hatte und anfing Erde zu schaufeln, gingen der Rabbi und sein Sohn in die Leichenhalle zurück; es war noch zwei Stranden bis Mittag, und der Rabbi betete dort das Achtzehn־ Gebet, bevor das Gefolge vom Grabe zurückkam. Als sie dann kamen, wusch man sich die Hände, und der Sohn sagt קדיש דרבנן; aber der Vater sagte nicht mit und saß auch nicht bei der übrigen Gemeinde. Man riß Gräser aus und warf sie hinter sich. Der Rabbi ging in den Schuhen, sein Sohn barfuß. Als man zurückkam, schloß sich vom Schulhof die ganze Gemeinde bis zum Trauerhause an. Dort ließ der Rabbi wie im Gotteshaus am Freitag abend beten; als man bei ברכו war, erschien der Synagogendiener, den Rabbi in die Synagoge zu rufen; doch ging kein Mensch zu ihm, und er besuchte weder die Knaben noch seine Familie an diesem Sabbat. Schweigend verließ er das Gotteshaus, ging seines Weges, ohne irgend einem ,,Gut Schabbos“ zu sagen — während er sonst an jedem Sabbat gewohnt war, vor dem Gotteshaus eine Weile zu stehen und den Nichtjuden Gruß, der ganzen Gemeinde ,,Gut Schabbos“ zu entbieten. Am Sabbatmorgen brachte er einen ־ טורים Band mit ins Gotteshaus, wie er es immer gewohnt war; jedenfalls um sich mit הלכות שמחות zu beschäftigen (da doch ein Trauernder während der שבעה nicht einmal die Sidra lesen soll). Am Sabbat־ ausgang kamen der Rabbi und sein Sohn und blieben an der Tür des Gotteshauses stehen, bis man ברכו gesagt hatte; dann gingen sie nach Hause/' Die an der gleichen Stelle mitgeteilte, von Maharil verfaßte Grabinschrift für seine Frau lautet: יורד מים עיני עוללה על עטרת פו מיני נפלה קמו בניה ויאשרו לה בשערים גם מהוללה החויקני שמה ליציאת נשמה וגרעת תמה T “ ישרה ונעימה