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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Sefer Maharil
Date
1927-01-01
Page
Seite 367 (sequence 4)
Language
German
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367 Kleidern und hochgeschnürten Schuhen, er könnte damit Räuber anreizen, ihn zu überfallen, und hätte sich dann selber an seinem Leben verschuldet/' Oder andere Bilder steigen auf1, teils natur- und farbenfrohen, teils derben und ungeschminkten, teils aber auch judenblutschwangeren Mittelalters. Es sind nur Stichproben einer überreichen Fülle, wenn wir aus einem einzigen Kapitel, den הלכות ליל יום הכפורים, folgendes herausgreifen: ,,Es gibt Orte, in denen man am י״ב bunte Tücher im •Gotteshause aufhängt, zur Ehre des Tages. Auch gibt es Orte, in denen man am י״ב den Fußboden des Gotteshauses mit Grünzeug bestreut, weil es heißt (3. B. M. 26t): Gehauenen Stein sollt ihr nicht haben in eurem Lande, euch darauf niederzuwerfen — und man doch am י׳*כ mehr als im ganzen übrigen Jahre beim Gebet sich auf den Boden wirft." — Ergötzlich liest sich ferner: ,,Viele sind gewohnt, die י״ב Nacht mit frommen Liedern und Lobgesängen im Gotteshause zu verbringen. Das geht zurück auf den vom Talmud bezeugten Brauch, daß die Vornehmen Jerusalems die י״כ Nacht durchwachten, um den Hohepriester am Einschlafen zu verhindern. Aber die jungen Leute, die vorher unmäßig gegessen haben, sollten sich in dieser Nacht vom Gotteshause fernhalten, פן יהיו ח״ו מולולין בנפיחות, und ihnen rufe ich zu: Wer verlangt von euch, Meine Vorhöfe zu zertreten?" — Ernster stimmt die Vorschrift: ״Ereignet es sich, Gott behüte, daß am י״כ das Licht an einer Stelle umfällt, wo Gefahr eines Brandes droht: da wir doch infolge unsrer Sündenlast im Exil sind und Feinde wider uns aufstehen, so ist es dem Juden erlaubt, mit seinen Händen die Kerze auszulöschen, sogar am י״ב, der auf einen שבת fällt. Und ist es auch zweifelhaft, sogar der Zweifel eines Zweifels, ob ein Brand in der Stadt entsteht, — man muß retten; es handelt sich um Menschenleben, und der Verfolger ist uns auf dem Halse." Als ein Kuriosum, das einen Blick eröffnet in eigentlich unbekannte jüdisch-mittelalterliche Geistesströmungen und das zur Nachprüfung seiner literarischen Unterlagen anreizt, erwähne ich hier eine merkwürdige Auslassung des Maharil in den seinem Sefer angefügten לקוטים. ,,Die Reime und Verse in deutscher Sprache auf die Einheit Gottes und die dreizehn Glaubensartikel — ach, wären sie doch gar nicht verfaßt worden. Denn die Mehrzahl der Ungebildeten glaubt, daß die ganze jüdische Religion darin enthalten ist,, entledigt sich einer ganzen Anzahl von Ge- und Verboten, wie Zizis, Tefillin, Talmud Thora und dergleichen, und 1 Ein besonders reiches und charakteristisches Kultarbild aus dem Sefer Maharil, die jüdische Hochzeit in Mainz, ist in Winter und Wünsche, Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons, in deutscher Uebersetzung aufgenommen und von da neuerdings in das Quellenlesebuch zur jüdischen Geschichte und Literatur von Dr. Julius Höxter übergegangen. — Ich füge eine nicht uninteressante Bemerkung des Maharil aus diesem Kapitel (נישואין *Pt) hinzu, die auf jüdische Standesunterschiede jener Zeit einen Blick fallen läßt: ,,Daß man in Köln die Ketuhah der Jungfrauen auf 200, dagegen in Mainz auf 600 bemißt, hat seinen Grund darin, daß die בני גליל העליון, also die Mainzer, vornehmer sind als die בני נליל התחתון, die Kölner.“ — Hoffentlieh (diesen Wunsch darf ich als Kölner wohl aussprechen) hat sich inzwischen dieses Verhältnis 3 zu 1 wenigstens einigermaßen zu Kölns Gunsten verschoben.

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