Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
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360 gesetzlichen oder ־ungesetzlichen Gotteshäusern verknüpft. Und in diesem Zusammenhang müssen wir auf einen Punkt hinweisen, der gewöhnlich übersehen ,wird, der aber eine sehr wichtige Be״ Ziehung zu unserer Problemgruppe hat. In dem Zeitalter und bei dem Volke, für das die pentateuchische Gesetzgebung ursprünglich bestimmt war, war jeder öffentliche Gottesdienst mit Opfern verbunden. Das Bethaus ohne Opfer, heute durch Synagoge, Kirche und Moschee dargestellt, war noch nicht erfunden. Ebenso wie man eine Schlachtstätte für die lokale Tötung von Haustieren zu Speisezwecken brauchte, so brauchte man auch eine Opferstätte für den lokalen öffentlichen Gottesdienst. Sonst hätte es für diejenigen, die außerhalb der religiösen Hauptstadt wohnten, überhaupt keinen öffentlichen Gottesdienst geben können außer bei der Wallfahrt. Solche lokalen Gottesdienste ergaben sichbei der Feier von Sabbat und Neumond (die niemals Wallfahrtsfeste waren), Familiengedenktagen, lokalen Festen und vermutlich dem Verzehnten des Viehs. Da uns nirgends ein Verzeichnis gegeben wird, können wir bei unsern Vermutungen über die zeitgenössische Sitte nie auf Vollständigkeit rechnen. Gelegentlicher Gottesdienst war nötig bei besonderen Vorkommnissen wie der Proklamation eines Königs, dem Abschluß gewisser Formen von Verträgen, wahrscheinlich auch Hochzeiten, Beschneidungen und dergleichen. Für die, welche außerhalb der religiösen Hauptstadt wohnten, waren die Wallfahrten die einzige Gelegenheit, Gott in einem Gotteshause, im Gegensatz zu einem lokalen oder gelegentlichen Altar, zu verehren. Man muß beachten, daß die Zweiheit der Opferstätten ein charakteristischer Zug des frühsemitischen Gottesdienstes war. Wie Steinhaufen- und Hörneraltäre bei den Hebräern in Gebrauch waren, ebenso finden wir Steinhaufenaltäre und behauene Altäre bei den umwohnenden Völkern. Bileam und Balak zum Beispiel errichten ohne besondere Vorbereitung Feldaltäre, auf denen sie ohne priesterliehen Beistand opfern, obwohl beständige Heiligtümer und ein Priestersystem in Moab auch existierten (Jes 152, Jer 487, 35). Die Baalspropheten errichten einen Feldaltar auf dem Karmel gleich Elia; aber wir finden auch, daß Baal Tempel und eine Priester- Schaft hatte (II Kön 1018-28, 1118). Die Genesis selbst zeigt uns ein doppeltes System in Wirksamkeit. Wir finden, daß die Patriarchen Lokalaltäre bauten und ohne priesterlichen Beistand opferten; aber daneben sehen wir, wie Rebekka ein Heiligtum um Rat fragt, und lernen eine Kultform kennen, zu deren Personal auch Hierodulen gehörten (Gen 25a2f, 3821 f.)h Ebenso bestehen im heutigen Palästina Wallfahrt und Lokalopfer nebeneinander. So schreibt Curtiss wie folgt: ״Es gibt zwrei Urformen der Opferstätte: a) (es wdrd geopfert) am Altar eines Wesens, das dem Anbetenden als göttlich gilt, ,oder zum mindesten eines Wesens, vor dem er sich fürchtet. .. Die Kultorte, an 1 Ich persönlich, glaube, daß sich diese beiden Stellen auf den Dienst eines Baal beziehen und daß das Tetragramm durch spätere Schreiber in den Text eingesetzt wurde. Aber eine Erörterung dieser Sache würde uns zu weit führen.