Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
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359 Nach erschöpfender Untersuchung unseres Materials lassen sich folgende Unterscheidungen herausfinden: 1. ,,Steinhaufenaltäre‘' sollten aus Erde oder unbehauenem Stein hergestellt werden (Ex 202426־־), Hörneraltäre bestanden aus anderen Stoffen (Ex 27, II Kön 1614 f. etc.) 2. Nach der Natur der angewandten Materialien konnten Steinhaufenaltäre weder ein feststehendes Muster noch feste Maße haben; Hörneraltäre dagegen wohl (Jos 22 etc.). 3. Steinhaufenaltäre konnten keine Hörner haben, da man keine machen konnte, ohne das Material zu bearbeiten; Hörneraltäre hatten notwendigerweise welche. 4. Steinhaufenaltäre konnten weder Gitter noch Rand haben; bei Hörneraltären war es anders. 5. An Steinhaufenaltären konnte der Dienst durch Laien verrichtet werden, die keine Beinkleider trugen (Ex 202ß); der Kult an den Hörneraltären stand unter der Oberaufsicht von Priestern, die anders gekleidet waren (Ex 2842f.). 6. Bei einem Steinhaufenaltar wurde das Opfer lebend auf den Altar gelegt und dort geschlachtet; dies war nie der Fall bei einem Hörneraltar, denn 7. Auf einem Hörneraltar konnte ständig ein Feuer brennen; nicht so auf einem Steinhaufenaltar. S. Ein Hörneraltar, stand immer erhöht oder war jedenfalls hoch (Lev 922, I Sam 2285 I Kön 1232 f., Ez 4317), nicht so ein Steinhaufenaltar. 9. Die Behandlung des Blutes war im allgemeinen verschieden; außer in dem einen Falle, da Moses selbst den Dienst verrichtete und eine Handlung vollzog, die sonst dem Priester Vorbehalten war (Ex 24ß), wurde das Blut gegen einen Steinhaufenaltar nicht gesprengt; bei Ganz- und Friedensopfern aber, die man auf einem Hörneraltar darbrachte, wurde dieser Ritus immer beobachtet (Deut 1227, II Kön 1615, Lev 15 usw.). Hält man diese neun Punkte fest, so sieht man, wie unmöglich es für .einen Zeitgenossen gewesen wäre, die beiden Arten von Altären zu verwechseln oder eine Stelle, die von einer Art handelte, als auf die andere bezüglich mißzuverstehen1 * * * *. Wenn wir nach den Verwendungsweisen eines jeden fragen, so finden wir folgende Tatsachen: Steinhaufenaltäre waren für den lokalen oder gelegentlichen Gebrauch da, Hörneraltäre waren mit 1 Im Winter 1925/26 habe ich eine Monographie über die Altäre im A. T. geschrieben, welche jetzt bei Hinrichs als OLZ־Beiheft 3 erscheint. Ans einer Untersuchung der biblischen Daten und des zu jener Zeit verfügbaren archäologischen Materials schloß ich, daß ,,die israelitischen Opfer- und Weihrauch altäre, soweit sie bearbeitet waren, notwendigerweise viereckig und mit Hörnern versehen waren und wenig oder keinen Schmuck aufwiesen. Einzelheiten, der.Größe, des Materials und der Form scheinen (innerhalb der angegebenen Grenzen) ziemlich gleichgültig gewesen zu sein.6‘־ Meine Schlüsse sind durch clie nachmalige Entdeckung von Weihrauchaltären in Sichern jetzt glänzend bestätigt worden. S. den Bericht von Sellin mit photographischen Beilagen Z. D. P. V. 49, 1926, 232 f. Die beiden Altäre unterscheiden sich in den Maßen, aber beide sind viereckig, mit Hörnern versehen und aus bearbeitetem Stein. Beide haben einen Fries (זר) und sonst keinen Schmuck.