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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 357

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
Date
1927-01-01
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 Er begriff nicht, daß in der Diaspora (die frühzeitig begann) die außerkultische Schlachtung die einzige Möglichkeit war. Und er scheint gemeint zu haben, daß zurechnungsfähige Menschen etwas als Gottes Wort annehmen würden, was die offenkundigsten Zeichen der Ungereimtheit an der Stirn trüge und niemals auch nur für einen einzigen Tag durchgeführt werden könnte. Daher schreibt er: ,,Offenbar verstand also der gemeine Mann nicht recht den Unterschied zwischen dem religiösen und profanen Akte, der bisher ganz unbekannt war (!!); und wenn er, was er ja durfte, zu Hause schlachtete, so beobachtete er dabei doch trotz allen Kautionen des Deuteronornikers den alten heiligen Ritus des Opfers.“ Nach einer weiteren Diskussion, in der er trotz der klaren Angaben von Lev 17 dabei beharrt, daß der Verfasser der Stelle jedes Opfer außerhalb Jerusalems als Opfer für die Dämonen ansieht, fährt er fort: ,,Ich lasse mir nicht einreden, dergleichen sei für jemand möglich gewesen, der noch vor der deuteronomischen Reformation oder auch nur vor dem Exil in den alten Verhältnissen lebte (!!!).“ Es ist kein Wunder, daß Lohr, der ungleich Wellhausen die Tatsachen in Betracht gezogen hat, schreibt: ״Das Dogma, welches wir aufgeben müssen, ist der Satz, daß ursprünglich schlachten und opfern identisch gewesen sei, daß man vor der josianischen Reform in Israel keine profane Schlachtung gekannt habe.“1 § 2• Die zwei Arten von Altären, Bis jetzt haben wir vom מוכח gesprochen ohne irgend einen Versuch der Uebersetzung. Das Wort bedeutet eigentlich ״Schlachtstatte“ und wird gewöhnlich durch ״Altar“ wiedergegeben. Dies ist nur dann zulässig, wenn wir uns frei von all den Assoziationen halten, die das deutsche Wort in uns erweckt, und es den Texten überlassen, uns seine Bedeutung zu lehren. In Wirklichkeit bezeichnet das Wort mindestens drei verschiedene Bauarten. Es kann solche Bauwerke bedeuten, wie sie im vorigen Abschnitt erwähnt worden sind. Hier ist der Altar der Ort der Tierschlachtung sowohl als der der Opferriten. Zweitens kann es ein Bauwerk bezeichnen, das zu Opferriten beim Tieropfer benutzt wird (oder benutzt werden kann), während die Schlachtung selbst anderswo stattfand2. Drittens wird es durch eine natürliche Bedeutungserweiterung von dem Gerät gebraucht, auf dem unblutige Opfer wie Weihrauch oder Flüssigkeiten dargebracht werden konnten. Die dritte Art von Altären fällt offenbar aus unserem Gebiet heraus. Die beiden andern bedürfen weiterer Betrachtung. Sie waren an Aussehen und Verwendungsweise so verschieden, daß kein Zeitgenosse sie hätte verwechseln können. Bevor wir die Unterschiede in extenso darlegen, wird es gut sein, aus einer oder zwei Stellen zu beweisen, daß die beiden Typen nebeneinander existierten. Ex 2024-26 spricht von Altären aus Erde oder unbehaunem Stein, und wir haben einen solchen I Sam 1432 ff. gefunden. Aber neben Altären von diesem Typus finden wir in der Geschichte 1 Das Deuteronomium 1925 [58]. 2 Ezechiel spricht von Stätten, die er Tische nennt. In Leviticus soll die kultische Schlachtung neben dem Altar ausgeführt werden.

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