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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 355

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
Date
1927-01-01
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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355 Israeliten gebrauchte Fleisch notwendigerweise nichtkultisch geschlachtet1. Dasselbe gilt für alles Fleisch, das die Israeliten verzehrten, die fern vom heiligen Land waren, sei es wegen des Exils (Hos 93 ff.), persönlicher Verbannung (I Sam 2619 u. ö.), eines Ge- Schaftes oder irgend einer anderen Ursache, außer da, wo durch eine Rechtsfiktion gleich der Naamans ein palästinischer Altar errichtet werden konnte. Eine Reihe von Gesetzesstellen bieten weitere zwingende Beweise. Ex 2137 bespricht die Schlachtung von gestohlenem Vieh durch die Diebe. Wie kann man glauben, daß ein Gesetzgeber, der Ehrlichkeit einschärfte, — oder sein Volk — sich solche Tötungen als זבחי* צדק vorstellte? Ist es wirklich denkbar, daß man es zu jener Zeit als eine fromme Handlung betrachtete, gestohlene Tiere dem Gotte des Dekalogs zeremoniell zu opfern? — Ex 2024 lesen wir: ,,einen מוכח von Erde sollst du mir machen und darauf schlachten deine Brandopfer und deine Friedensopfer, dein Kleinvieh und dein Großvieh“. Nach den gewohnlichen Grundsätzen für die Fassung von Gesetzen muß das Kleinvieh und das Großvieh etwas anderes sein als Brandopfer und Friedensopfer. Wären sie nicht besonders erwähnt, so hätte man vielleicht folgern können, daß sie in dem Ausdruck ״Brandopfer und Friedensopfer“ eingeschlossen wären. Aber ,,expressum facit cessare tacitumDie ausdrückliche Erwähnung schließt die Möglich׳־ keit einer solchen Auslegung aus. Der Gesetzgeber gebietet deutlich, das Kleinvieh und das Großvieh, das weder als Brandopfer noch als Friedensopfer dargebracht werden soll, auf einem zu schlachten. Dieses Gesetz wird in Deut 12 selbst zitiert und anerkannt. Vers 21 ff. lesen wir von außerkultischer Schlachtung. ״Du magst von deinem Kleinvieh und von deinem Großvieh schlachten. wie ich dir befohlen habe, und es in deinen Toren essen ganz nach dem Wunsch deiner Seele. Nur wie Gazelle und Hirsch gegessen werden, sollst du davon essen; Reine und Unreine mögen in gleicher Weise davon essen. Nur hüte dich, daß du nicht das Blut issest . .; du sollst es nicht essen, du sollst es auf die Erde ausgießen wie Wasser.“ Dies zeigt, daß das Dt. etwas bestimmt, was mit einem früheren Gesetz in einer Linie liegt; sonst wären die Worte ״wie ich dir befohlen habe“ unverständlich. Die Bedeutung wird ganz klar durch die heute noch lebendigen Ueberreste des semitischen Brauches. So schreibt Schumacher von den Beduinen: ״Man bringt ein Schaf oder eine Ziege . . . der Khatib oder Priester legt sie über den Altar, so daß der Körper auf dem Stein ist und Kopf und Hals herabhängen.“2 Augenscheinlieh mußte das Blut, wenn der Hals durchschnitten war, notwendigerweise wie Wasser zur Erde ablaufem Schließlich finden wir ein klares Beispiel für den Hergang I Sam 143235־. Das Volk nahm Haustiere, schlachtete sie auf. 1 Ueber das Pessaehtier s. B. M. Wiener, The Main Problem of Deuteronomy, 1920, 1ל f. In deutscher Uebersetzung: Das Hauptproblem des Deuteronomiums 1924, 24 ff. 2 S. J. Gurtiss, Primitive Semitic Religion of Today, 1902, 2S5. 23*

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