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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 354

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Einige wesentliche Irrtümer der Wellhausenschen Anschauung
Date
1927-01-01
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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354 frage vor uns. Der Beweis, auf Grund dessen entschieden werden muß, ist folgender: Eine Gruppe von Stellen zeigt, wie die alten Hebräer das Gesetz der Gastfreundschaft genau in derselben Weise handhabten wie der palästinische Fellache von heute, und die Umstände lassen erkennen, daß es unmöglich ist, die Schlachtung als kultisch an- Zusehen (Gen 187, Jud 618> 1 Sam 25n, 2823). Die Sitte war ganz unabhängig davon, ob Wirt und Gäste im Zustand der kultischen Reinheit waren, der für ein Opfer notwendig gewesen wäre. Als Abraham Gäste empfängt, gibt er seinem Knecht ein junges Stierkalb zu schlachten. Dabei finden wir kein Verbrennen des Fettes noch irgendwelche Andeutung eines Opfers. Die Schlachtung ist augenscheinlich, wie bei uns, eine rein gewohnheitsmäßige Angelegenheit, der keine besondere Heiligkeit zukommt und die kein zeremonielles Beiwerk erfordert. Aehnliches läßt *sich von Jud 619 sagen, nur, daß dort in einer Hinsicht sogar ein noch deutlicherer Fall vorliegt. Hätte Gideons Schlachtung ein Opfer dargestellt, so wäre die Speise zweimal geopfert worden, denn sie wurde nachher als Brandopfer verzehrt. Ferner wird kein Kenner des hebräischen Altertums ernsthaft annehmen, daß jemals Frauen den Opferdienst ausübten. Dies wäre aber notwendig, wenn wir glauben sollten, daß die zwei Stellen aus Sam sich auf Opfer bezögen. Aber kann man sich eine Ausdrucks weise vorstellen, die noch deutlicher den nicht kultischen Charakter der Handlung angäbe als die Worte Abigaiis : טבחתי אשר טבחתי לגזר? Wir finden wiederum eine Frau, die außerkultisch schlachtet, Gen 279, 14. Das ist die natürliche Auslegung der Stelle, und sie wird gestützt durch die Erwägung, daß das Isaak Vorgesetzte Gericht von ihm für Wildbret gehalten wurde und augenscheinlich in genau derselben Art behandelt worden war. Ein weiteres Beispiel, wo es schwierig ist, ein Opfer zu postulieren, ist I Kön 192! (Elischa). Ein noch schlagenderer Beweis ist Gen 431s, wo Joseph seinem ägyptischen Haushofmeister befiehlt, auf ägyptischem Boden zu schlachten. Nichts steht fester, als daß in der Frühzeit ein Opfer für den Gott Israels nur in der Wüste oder auf dem Boden Palästinas möglich war (Ex 822, Deut 428, 2836, 64, I Sam 2619, Hos 93 ff, Jer 16!3). Dementsprechend nahm Naaman, als er in Syrien dem Gott Israels opfern wollte, zu dem Zwecke palästinische Erde mit. Dies war natürlich eine Rechtsfiktion, aber die Rechtsfiktion ist anerkanntermaßen einer der Wege, auf denen ein althergebrachtes Gesetz den wachsenden Bedürfnissen der sich entwickelnden Gesellschaft angepaßt wird1. Dies regt zu einer weiteren Bemerkung an. Während des ganzen Aufenthalts in Aegypten wurde das ganze von den 1 Wegen Jes 191825־ s. H. M. Wiener, The Prophets of Israel in Kistory and Criticism 1923,172f, and wegen Jes 66, wo der Trostprophet den Vorschlag rügt, in Babylonien einen Ersatz für den jerusalemischen Tempel zu bauen, s. a. a. O. 86 f, 134 f. Daß Jes 66 zu diesem Propheten gehört, wird auf S. 131 ff. gezeigt.

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