Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Problem der Säkularisierung des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 21)
- Language
- German
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351 und wieder verschwindend endlich ernsthaft zur Diskussion gestellt und durch die Berufenen gründlich erwogen werden sollte: die Neuerrichtung eines Synhedrion in irgend einer Form, Sämtliche angedeuteten Maßnahmen zur Pflege und Stärkung der jüdischen Religiosität betreffen einheitlich Palästina wie die Diaspora und müssen ihre sinngemäße Anwendung zugleich im Hinblick auf beide finden, deren gegenseitiges Verhältnis mit Achad H a a m als das von Zentrum und Peripherie zu fassen ist. Die Möglichkeit einer Vollentfaltung des totalen Büithvolkstums besteht von vornherein nur in Erez Israel, von wo aus das Judentum der Diaspora freilich bedeutende Bereicherung und Befruchtung erfahren kann und soll. Kein Zweifel darf. darüber herrschen, daß alle Maßnahmen zur Förderung der Religiosität sich zunächst auf den engeren Kreis der ohnehin schon mehr oder weniger dem historischen Judentum .Nahestehenden selbst beziehen und für ihn Geltung beanspruchen. Es kommt darauf an, durch jene Mittel die vorhandenen Bekenner des historischen Judentums und die zugehörige Jugend zur Elite des jüdischen Volkes zu machen, die direkt und vielleicht noch mehr indirekt die Gesinnung der andern Volksteile und die Gestaltung des gesamten Volkstums* entscheidend zu beeinflussen vermag. Auch hier kann das Bild von Zentrum und Peripherie zur Verdeutlichung der Meinung gute Dienste leisten. —;. . Der nunmehr auf Grund der Gesamtuntersuchung dargelegte eigene Standpunkt in der Säkularisierungsfrage stimmt meines Erachtens ungefähr - mit der Auffassung überein oder berührt sich wenigstens nahe mit der Auffassung, die der ,,Misrachi“ vertritt. Ich glaube ihn daher gegenüber , der abgelehnten agudistischen Form des Einheitsstandpunktes als die misrachis tische bezeichnen zu dürfen. V. Praktische Folgerungen. Aus unserer im vorigen Abschnitt zusammenfassend wiedergegebenen Stellungnahme zum Problem der Säkularisierung resultieren mehrere Folgerungen, die für das jüdische Leben der Gegenwart von erheblicher Bedeutung .sind. Einige besonders wichtige : seien zum Abschluß noch kurz erwähnt. Die erste betrifft das Wesen der jüdischen Gemeinde in Palästina wie in der Diaspora. Nachdem die jüdische Gesamtgemeinschaft als totales B'rithvolkstum erkannt wurde, müssen die Einzelgemeinden, ans denen sich ja die Gesamtgemeinschaft in ihrer territorialen und lokalen Konkretheit zusammensetzt, notwendig ebenfalls B’rith volksgemeinde n, religiöse Volksgemeinden sein. Sie dürfen demnach weder Volksgemeinden sein wollen im Sinn etwa von Kolonien einer rein weltlich-nationalen Menschengruppe, noch Kultus- oder Synagogenveremigungen. Nennen mag man sie in der Diaspora immerhin Religipnsgemeinden, wofern man Religion in der historischen Bedeutung des jüdischen Religionsbegriffes versteht; oder Volksgemeinden, wenn unter Volk das historische Büithvolk verstanden wird. Weniger auf das Wort kommt es an, als vielmehr auf den damit zu verbindenden und immer evident, zu haltenden Sinn. _