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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 350

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Das Problem der Säkularisierung des Judentums
Date
1927-01-01
Page
Seite 350 (sequence 20)
Language
German
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350 in Palästina, ist zweifellos ein Zeichen beginnender ,,Neubelebung der Herzen". Diese kann aber für die Dauer schwerlich ohne positive Ein- und Rückwirkung auf die Religiosität bleiben. Besonders der Aufbau Palästinas wird um der mehrtausendjährigen religiös-nationalen Gefühlsbetonung des Zionsgedankens willen dazu beitragen, die historische Selbstbesinnung anzuregen, d. h, die Besinnung auf den synthetischen religiös-nationalen Wesenscharakter des geschichtlichen ,Judentums. Schon überhaupt der Wille zur Erweiterung des Judentums im Zusammenhang mit dem Aufbau Erez Israels wird mithin als indirektes Mittel angesehen werden dürfen, letztens zugleich die persönliche Religiosität neuzubeleben und zu stärken. Es wäre jedoch unverantwortlich, einer derartigen Annahme oder Hoffnung wegen die weitere Entwicklung beruhigt und untätig .abzuwarten. Vielmehr verlangt der Ernst der Lage ein unmittelbares aktives Eingreifen zugunsten der Erhaltung und Förderung der historischen jüdischen Religiosität. Zunächst erscheint es notwendig, die Erkenntnis zu verbreiten, daß .von dem Gelingen der modernen Erweiterungsbestrebungen des Judentums, zu denen das Palästinawerk als wesentlicher Bestandteil gehört, allererst die volle Verwirklichung gerade der historischen jüdischen Religion, des totalen B'rith volkstums abhängt, und demgemäß die ganze Bewegung nicht nur innerlich zu bejahen, sondern praktisch zu fördern und zwar vermittels ihrer Erfüllung und Durchdringung mit dem Geiste des historischen Judentums. Je mehr von diesem Geist in sie einfließt, desto stärker wird sie ihrerseits auf die persönliche Religiosität weiterer Kreise belebend einwirken. Von allergrößter Bedeutung ist jedoch ein Zweites: die Jugend- und die Volkserziehung überhaupt im Sinne des historischen Judentums und der historischen jüdischen Religiosität. Sorgfältisgte Pflege des geschichtlichen religiös-nationalen Schrifttums sowie einer von seinem• Geiste durchtränkten, aber alle Gebiete umfassenden modernen jüdischen Literatur besonders in hebräischer Sprache einschließend Presse und Zeitschriften, Ausbau der verschiedensten entsprechend geleiteten Volksbildungseinrichtungen, Schulen und Hochschulen, Jugendorganisationen —■ das dürften die Hauptpunkte der hier gemeinten ״Kulturpolitik" sein. Deren Erfolg wird freilich wesentlich ״davon abhängen, daß sie zugleich durchaus ״modern" ist, in engster Fühlung mit der modernen Kultur bleibt und dort, wo eine Ver- Schmelzung des historisch-jüdischen mit dem fremden Element nicht möglich erscheint, ohne Scheu auf grundsätzliche Behandlung der Schwierigkeit dringt, gehe es sogar um ein bibelwissenschaftliches öder ethisches Problem. Das geforderte Erziehungswerk verträgt sich nicht mit starrem Dogmatismus, und gerade in fraglichen Fällen müssen die erhabenen Worte Hiobs 137-10 für es Geltung haben. Ein drittes Mittel zur direkten Förderung historisch-jüdischer Gesinnung bildet die Verlebendigung und im Rahmen des Zulässigen der Ausbau des ja eigentlich zu dem Zwecke bestimmten Kultus. Vor allem ist dem Studium der Thora im weitesten Sinn dieses Wortes die größte Aufmerksamkeit zu widmen, was allerdings gleichzeitig in das bereits behandelte Gebiet des Erziehungswesens fällt. Ferner gehört hierher eine Forderung, die von Zeit zu. Zeit auftauchend

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