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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 344

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Das Problem der Säkularisierung des Judentums
Date
1927-01-01
Page
Seite 344 (sequence 14)
Language
German
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344 kein B’rithvolkstum, kein Judentum in der historischen Bedeutung des Begriffes mehr/ Findet die ,,Säkularisierung“ der jüdischen Individuen kein Gegengewicht, so droht dem historischen Judentum oder der jüdischen Religion der Untergang. Die Tatsache der individuellen Anti**, bzw. Areligiosität bei einem Teil der modernen Judenheit bildet also den w a h renGegenst an d des Säkularisierungs- Problems. Und dessen richtige Formulierung lautet: Wie steht es um die Zukunft der jüdischen Religiosität a 1 s de m Fun da ment der jüdischen Religion, d. h. des B’rith volkstums oder des historischen J udentums? — Wir sind damit beim zweiten Punkt des Gesamtproblems angelangt, den wir früher als die Frage nach der Stellung der Religion im modernen Judentum verstanden hatten. Jetzt sehen wir, daß die Formulierung unrichtig und irreführend war und durch eine neue ersetzt werden mußte. Nach dem soeben Erörterten geht es unmittelbar nicht um die Zukunft der Religion, sondern um die der individuellen Religiosität. Diesmal bedarf es aber nicht wie bei der ersten Frage des Gesamtproblems einer vollkommen selbständigen Behandlung. Mir scheint, daß wir ohne übermäßige Gewaltsamkeit die im II. Abschnitt dargelegten Stellungnahmen der Theoretiker als die bezüglichen Beantwortungsversuche betrachten oder deuten dürfen, obwohl sie von Haus aus anders gemeint waren und in ihrem ursprünglichen Sinn nach der vorangehenden Allgemeinkritik nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Durch Be- Ziehung auf die jetzt richtig formulierte Frage lassen sie sich jedenfalls für unsere eigene Stellungnahme als brauchbare und willkommene Grundlage benutzen. Sie müssen zu dem Zwecke nur einer besonderen E i n z e 1 k r i t i k unterzogen werden. b) Zuvörderst sind die Theorien der Vertreter des Sonderungs- Standpunktes zu betrachten, also die von Levy und Guttmann. Zweifellos hat Israel Levy unrecht, wenn er lediglich für Palästina eine Säkularisierung annimmt. Versteht man unter dem Begriff die von ihm selbst gemeinte Erweiterung des modernen Judentums, derzufolge das bisher Judentum Genannte —der Kultus in unserer Terminologie — allerdings zu einem Teilgebiet des Total- Judentums wird, so läßt sich diese ,, Säkularisierung‘wie Guttmann richtig sah, bis zu gewissen Graden ebenso für die Diaspora konstatieren, auch wenn hier offizieill die religiöse Organisationsform bleibt. Faßt man aber den Begriff der Säkularisierung in dem durch unsere Untersuchung erschlossenen wahren Sinn der individuellen Anti- oder Areligiosität, dann gilt die Beschränkung des Problems auf Palästina noch viel weniger1, Die praktischen Vorschläge Levys, in Palästina religiöse Schulen zu gründen und die religiöse Kolonisation zu fördern, bezeichnen gewiß die geeignetsten Mittel zur Hebung der jüdischen Religiosität in Erez Israel. Doch bedarf es nicht erst, wie Levy meint, einer neuen Gesellschaft, um seine Vorschläge zu. verwirklichen, da schon längst eine solche in der ,,Misrachi“-Organisation besteht. 1 Vgl. dazu die Bemerkungen J. Klausners in der oben zitierten Veröffentlichung ״Elaschiloach“ Bd. 45 S. 152/153.

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