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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 336

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Das Problem der Säkularisierung des Judentums
Date
1927-01-01
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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336 Der Kerngedanke der von Levy und Guttmann vertretenen Richtung ist kurzgesagt die Anwendung des bei den modernen Völkern geltenden Grundsatzes der ״Trennung von Staat und Kirche“ auf das Judentum. Durch Verselbständigung des religiösen Gebiets soll der Einfluß der jüdischen Religion auf die übrigen selbständigen Gebiete der an sich weltlichen, areligiösen jüdischen Totalkultur, wie Politik, Wirtschaft, Literatur usf. desto wirksamer frei ins Spiel gesetzt werden können. Ich bezeichne die hier erörterte typische Stellungnahme zum Säkularisierungsproblem mit einem Wort als Sonderungs Standpunkt. 2. Im Gegensatz dazu heiße die zweite Hauptriclitung, durch die agudistische Orthodoxie oder konkreter durch Isaak Breuer vertreten, Einheit s Standpunkt1. Begriff und Wesen eines areligiösen, säkularisierten Judentums, das nach Ansicht Breuers der Zionismus erstrebt und in Palästina verwirklichen will, wird a limine abgelehnt. Der einzige konstitutive Faktor der jüdischen Nation ist deren ,,Recht“, d. h. die schriftliche und mündliche Thora. Daraus folgt, ,,daß, wer dieses Recht negiert oder es zu bloßer Parteisache herabwürdigt, ob er will oder nicht, die Nation selber der Auflösung preisgibt“. Zwischen der Judenheit Palästinas und der Diaspora besteht notwendig Wesensidentität: die Judenheit, die jüdische Nation ist immer und überall ,,die Einheit der Rechtsuntertanen Gottes, die jüdische Rechtsgemeinschaft“. Prinzipiell beherrscht die Thora, ,,unser das ganze nationale Leben erfassendes und regelndes Recht“, ausnahmslos das volle jüdische Sein. Praktisch jedoch kann das jüdische Nationalgesetz in der Diaspora nur teilweise zur Ausführung gelangen. Daher verlangt die Kultur der jüdischen Nation das eigene Recht im eigenen Land. Der so geforderte und begründete Aufbau Erez Israels hat demnach rein religiösen Charakter: nicht allein sofern das jüdische ,,Recht“ seine Grundlage bilden muß, sondern insofern er überhaupt erst die wahre und vollkommene Verwirklichung der Thora, d. h> ein thoragemäßes Totaljudentum ermöglicht. Gegenüber den Tendenzen auf Säkularisierung des Judentums ist zu erstreben ,,die Bereitstellung der Nation Gottes und des Landes Gottes für ihre Wiedervereinigung unter der Herrschaft des Rechtes Gottes zum Gottesstaat“. III. Kritische Würdigung der bisherigen Stellungnahmen. 1» Grundlegung• Bevor wir auf eine Kritik der vorliegenden Theorien im einzelnen eingehen können, ist es nötig, ihre allgemeinen Grundlagen zu prüfen und unerläßliche prinzipielle Vorfragen zu erörtern. Schon eine flüchtige Betrachtung der verschiedenen Theorien zeigt einen gemeinsamen Grundfehler. Alle Theoretiker gehen von der fortschreitenden Säkularisierung des Judentums in der Neuzeit aus und nehmen zu ihr als einer gegebenen und unbezweifeibaren Tatsache Stellung. In Wahrheit handelt es sich um gar keine Tat- Sache, sondern um die Deutung einer solchen. Das wirklich Tat״ sächliche besteht lediglich in dem, was der Anfang des I. Abschnittes 1 I. Breuer, außer den oben genannten Schriften. zum Folgenden noch: Die Idee des Agudismus, Frankfurt a. M. 5681. . ״•

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