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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 6 · p. Seite 333

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 6
Article
Das Problem der Säkularisierung des Judentums
Date
1927-01-01
Page
Seite 333 (sequence 3)
Language
German
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333 bedeutet: Umgestaltung zu reinem, modern-weltlichen Volkstum, kurz ״Säkularisierung“. Dafür ist eigenes Land und eigene Sprache, d. .11. ein hebräisches Palästina, notwendige Vorbedingung. Der Diasporajudenheit bleibt keine Zukunftsmöglichkeit, sie assimiliert sich vollends und stirbt ab. Innerhalb des säkularisierten jüdischen Volkstums Palästinas, mag es neben den verschiedenen Kulturgebieten wohl auch Religion geben, allein das jüdische Volkstum selbst, das Judentum als Ganzes, ist nicht mehr Religion. Aehnlich wie Klatzkin beurteilt die Entwicklung der Dinge in Palästina der Grand Rabbin von Frankreich Israel Levy1. Nach einer Palästinareise schilderte er den französischen Rabbinern die überaus günstigen Eindrücke, die er von dem auf blühenden Lande empfing, konstatierte aber, daß dort ״das Haus Israel gleich allen Völkern“ sein werde: eine modern weltliche Nation, bei der die Religion eine geringe Rolle spielt, während die Abstammung, das Vaterland, die Politik, die Sprache desto wichtiger sind, wie überall heute, wo ein Volk auf eigenem Boden wohnt. Demgegenüber wird die Diaspora die religiöse Gemeinschaftsform beibehalten. Dadurch kommt es zu einer Zerspaltung der Judenheit in zwei wesensverschiedene Teile. Der kleinen säkularisierten jüdischen Nation Erez Israels wird die bedeutend, größere jüdische Religionsgemeinschaft oder genauer eine Vielheit von solchen in den zahlreichen Ländern der Diaspora gegenüberstehen. Auch die agudistische Orthodoxie, als deren Wortführer in diesem Betracht Isaak Breuer gelten darf2, sieht im Aufbau Palästinas durch die Zionistische Organisation eine grundsätzliche Säkularisierung des Judentums. Das Judenproblem soll hier auf rein national-politischem Wege seine Lösung finden unter völliger Absage an die Religion, die Privatsache ist und sich mit Ehrenrechten zu begnügen hat. Als Sprecher des positiven Liberalismus dürfte J u 1 i u s G u 11 m a n n zu betrachten sein, der dem Problem besondere Aufmerksamkeit widmet3. Er gibt zunächst einen geschichtlichen Ueberblick. Das Verlassen des Ghetto bedeutete für die Judenheit eine Erweiterung ihres Lebenskreises, die Einordnung in die europäische Kultur. Diese entbehrt aber als Ganzes der direkten religiösen Bindung, sie ist weltlich, areligiös, enthält nur in sich ein engeres, der Religion vorbehaltenes Sondergebiet, eine ״autonome Provinz“, mit Achad Haam zu reden, neben den vielen anderen autonomen Provinzen, aus deren Gesamtheit eben die modernen weltlichen Nationalkulturen bestehen. Auch das Judentum war jetzt genötigt, ״Religion im abschließenderen Sinn“ zu werden. Das Leben des Juden erfuhr eine Zweiteilung: in eine jüdische Sphäre religiösen und in eine außer jüdische allgemeinen Inhalts. Religion, dem modernen Bewußtsein als Privatsache geltend, kann heute nicht mehr 1 Ich stütze mich hier auf eine Veröffentlichung J. Klausners im ״Haschiloach“ Bd. 45 S..151 ff I למבוכות הומן. 2 Vgl. besonders: Judenproblem, Halle. Das jüdische Nationalheim, Frankfurt a. M. 1925. 3 Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte, Schriften des Keren Hajessod X. Bd.

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