Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
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330 . Gewiß waren nicht alle, die gegen Juden und Judentum schrieben, zugänglich oder belehrbar. Es gibt nun einmal Menschen, die nur nachdenken und nachschreiben, was frühere Menschen vorgedacht und vorgeschrieben haben, und die dann das, was sie Geschichte nennen, als Waffe benutzen gegenüber aller Kraft und Bewegung der Wirklichkeit, scheinbar wissenschaftliche Arbeiter, in Wahrheit Nachbeter alter Irrtiimer und Vorurteile, Ihnen war natürlich nicht beizukommen, Aber es gab unter den wissenschaftlichen Gegnern des Judentums in nicht geringer Anzahl ernsthaft strebende Geister, die prüfen und verstehen wollten und die sehnlichst begehrten, daß die Welt von unrichtigen Ueberlieferungen frei werde, gelehrte Gegner, die lebhaft wünschten, daß ihnen die Anerkennung des Judentums nicht nur als Anstandspflicht nahegebracht werde, sondern als eine Notwendigkeit, die sich aus einer vom Judentum ausgehenden wissenschaftlichen Formulierung der Lehre und ihrer Geschichte ergebe. Bei aller Vorsicht im Behaupten dürfen wir sagen, nicht wenige haben sich besonnen und die Probleme, um die es sich für uns handelte, und die wir darstellen konnten, in neuer Art erfaßt. Alles Wissen aber trägt .zum Verstehen bei und hat darin seine be~ sondere fortwirkende Kulturbedeutung. So war es mir auch in einer Zuschrift vorgetragen worden. ,,Zugleich aber wird die künftige Gesellschaft, — die Herren sind wahrlich zu dieser Hoffnung berechtigt —, die freie wissenschaftliche Bearbeitung unseres Schrifttums, die Kultur und den sittlichen Fortschritt mächtig fördern, so gewiß als Wissen der Weg zum Verstehen ist und so sicher es ist, daß Israel allein das Schrifttum Israels zu verstehen vermag, weil hier das Blut spricht, wo die Einsicht stottert/' Im Innern des Judentums trat aber mit der Gründung der Gesellschaft ein Stimmungsumschlag fast unmittelbar in Erscheinung. Bevor die Gesellschaft da war, schrieb. mir ein sehr anerkannter Gelehrter: ,,Es ist Nacht geworden in der Wissenschaft des Judentums, sie hat weder Lehrstühle noch Gentren noch Mäcene'^. Nach der Gründung kamen Zuschriften ganz anderer Art. ״Im^ Geiste bin ich bei Ihnen, denn ich begrüße das Unternehmen als eine rettende Tat und verspreche, mit allen meinen Kräften die Ziele und Zwecke der Gesellschaft zu fördern/' Oder von anderer Seite: ״Empfangen Sie den Ausdruck meiner aufrichtigen Dankbarkeit zugleich mit der Bitte, diese meine Gefühle zur Kenntnis aller der rühmlichen Gelehrten, welche diese Wohltat meinem Volke gegenüber getan haben, freundlichst bringen zu wollen. Alter und Krankheit hindern mich an der Arbeit, aber weder Alter noch Schwächlichkeit vermögen die Ergebung meinem Volke gegenüber zu schwächen. ... . Diese Gründung ist eine große Wohltat gegen Israel, ein Schirm in den