Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum 25jährigen Jubiläum der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
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331 Bedrängnissen der Zeit." Die herrschende Begeisterung war so groß, daß mir dringend nahegelegt wurde, der neuen Gründung den Namen Akademie zu geben. ,,In idealen Bestrebungen", so hieß es, ״soll man immer nach dem Höchsten greifen." Ich habe diese Bezeichnung in Uebereinstimmung mit Herrn Prof. Dr. Philippson nicht gebilligt. Heute dürfen wir sagen, daß die Erwartungen von damals nicht zu weitgehend gewesen sind. Sie sind nach Kräften gerechtfertigt worden und werden fernerhin gerechtfertigt werden. Dafür bürgen die bisherigen Leistungen, und der, wie ich hoffe, auch heute lebendige Idealismus aller Gelehrten der Gesellschaft. In den 25 Jahren, die seit dem Gründungstag verflossen sind, hat sich unendlich vieles geändert.^ Fast alle Herren, die ursprünglich den Aufruf unterzeichnet haben und mit denen mich mehrfach herzliche Freundschaft verband, sind nicht mehr. Andere Personlichkeiten sind unter der Leitung des Herrn Professor Dr. Sobernheim an ihre Stelle getreten. Auch die Gesamtlage des Judentums hat sich wesentlich gewandelt und in vieler Hinsicht die wissenschaftliche Problemstellung. Geblieben ist die Gesellschaft mit ihrer immer neuen großen Aufgabe בחן פנת יקרת מופל מופל geprüfter Stein, kostbarer Eckstein, fest gegründet. Das Problem der Säkularisierung des Judentums1. Von Abraham Schlesinger'in Buchau a. F. Im Problem der Säkularisierung des Judentums sehe ich das jüdische Zentralproblem der Neuzeit.. Zwar ist es schon da und dort zur Diskussion gelangt, aber noch fehlt die allgemeine Erkenntnis seiner vollen Bedeutung und Tragweite. Vielleicht aus dem Grunde, weil es noch nirgends die ihm längst gebührende umfassende systematische Behandlung gefunden hat. Mit der Erfüllung dieser dringlichen. Aufgabe endlich wenigstens einen Anfang zu machen, beabsichtigt der folgende Versuch. I, Der vorläufige Gegenstand des Problems. 1. Um das Problem richtig zu verstehen, geht man am besten vom Leben aus. Denn es ist an sich ein Lebensproblem und ganz und gar nicht eine akademische Frage. Zuerst sollen darum die Tatsachen betrachtet werden und zwar noch ohne kritische Reflexion, einfach in ihrer erfahrungsmäßigen Gegebenheit. Mit dem Eintritt der Juden in den modernen europäischen Kulturkreis begann ihnen ein ■neuartiges Doppelleben, für das die Formel des hebräischen Dichters J. L. Gordon nicht unpassend erscheint: ,,Jude drinnen, Mensch draußen". Judentum war seit Jahr- 1 Nach einem Vortrag in der GründungsVersammlung des Südwestdeutschen Rabbinerverbands zu Frankfurt a. M. am 7. November 1926. — [Vgl. unsere Bemerkung S> 433 des vorigen Jahrgangs. Die Schriftleitung.]