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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 303

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 303 (sequence 15)
Language
German
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303 So hält es Thilo für besonders beachtenswert, wie Hiob, trotz seiner immer wieder dargelegten furchtbaren ״Hoffnungslosigkeit“,. zu seinem gewaltigen Zeugnis für die Realität der Gottesge mein• schaff gelangt: ״Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, als letzter wird er dastehen auf der Erde“ — einer Realität, die bei ihm ,,stärker ist als die Realität der in der sichtbaren Welt ihr widersprechenden Momente“. Allein, die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß die Sätze 1923-27 im Zusammenhang etwas ganz anderes bedeuten: 0״ möchten meine Worte mit ehernem Griffel in einen Felsen für die Ewigkeit eingemeißelt werden — dann wüßte ich, daß ein Rächer (ein ״goel“ Gott gegenüber!) lebt, welcher in späterer Zeit auf Erden erstehen wird, und nachdem meine Haut zerfallen wäre und mehr als aus meinem vergängliehen Leibe (ו^בפזרי) würde ich dann (durch die Lapidarschrift, als ewiger Ankläger!) auf ־ Gott schauen! aber ach, nur ich allein (in der kurzen Spanne des Daseins) schaue es, nur meine Augen sehen es (das große Unrecht!), niemand, sonst (die Freunde nicht, die Nachwelt nicht), ich verzehre mich einsam mit meinem Gram im Innern.“ Ist das der Sinn, dann ändert sich fundamental die Gesamtauffassung. — Thilo ist der Meinung, daß der ganze Dialog die dichterische Darstellung einer Wirklichkeit ist, der inneren Erlebnisse eines Dichters, dessen Größe sich darin zeigt, wie er es verstand, Geschichte und Leben miteinander zu verbinden, der zeitlichen Aufeinanderfolge der Erlebnisse einen Rahmen (Prolog und Epilog) anzufügen, in den er seine Lebensgeschichte stellte. Aehnlich habe Goethe den Faust nachträglich zu einer kunstvollen Einheit gestaltet. Von P. Paul Joüon, Prof, am Institut Biblique in Rom, ist in der Reihe der ״Scripta“ des Instituts ein sehr gelehrter Kommentar zu Ruth herausgegeben worden (Ruth, Commentaire philologique et exegetique, Rome, 1924). In einer ausführlichen Einleitung nimmt der Verfasser mit guten Gründen gegen die Hypothese Stellung, wonach die Schrift — natürlich ״nachexilisch“! — einen tendenziösen Charakter hätte, u. zw. einen Protest gegen den Rigorismus Esras und Nehemias mit Bezug auf die Mischehen darstelle. Diese von Geiger in seiner ״Urschrift“ vertretene, von Graetz, Kuenen, Cornill aufgegriffene und noch von Steuernagel und Kautzsch ernst genommene Anschauung — bereits von S. J. Rapoport in seinem 1868 erschienenen נחלת יהודה widerlegt — ist älteren Ursprungs, denn L. Bertholdt hatte die schon 1816 erwogen und dann fallen gelassen (sie wird auch von Driver, König, Lambert u. a. abgelehnt). Hinsichtlich der Sprache und des Stils sagt schon Rapoport (1, c., 67): wenn ein so klassisches litterarisches Werk aus später Zeit-, nachexilisch, sein soll, dann gebe es überhaupt keine Merkmale mehr für echte althebräische Schriften! Joüon führt u. a. gegen die ,,Tendenz “-Vermutung die sich von selbst auf drängenden Einwände an: wenn das Büchlein dieses Kampfziel gegen Esra gehabt hätte, wäre es doch sicherlich vom Kanon ausgeschlossen worden; ferner (mit

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