Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
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300 die Absonderung der Gemeinde zeigt (,wie oben dargelegt), daß die Bücher vorexilisch sind. Die Ideen Verwandschaft zwischen Ps 22 und dem sogenannten ״Deuterojesaja“ ist ganz richtig erkannt; Jes benutzt eben bereits die Gedanken der Psalmisten (226ist Ursprung des jesajanischen תולעת יעקב und Jes 53 ist nach Ps 38 gedichtet). Godfrey R. Driver beschäftigt sich mit den babylonischen Parallelen und Aylward M. Black man mit den ägyptischen. Letzterer hebt hervor, daß zur Zeit der 19. Dynastie (1550—1205 v. Ch.) besonders enge Beziehungen zwischen Aegypten und der semitischen Welt bestanden haben. Der starke Einfluß ägyptischer Literatur auf den Psalter ist jedenfalls so evident, daß A. Weigall (Life and Times of Akhnaton, 1923) Amenophis IV einfach für den Verfasser von Ps 104 hält! Von Adam C. Welch (Prof, am New College, Edinburgh) ist eine Serie von Vorlesungen über den Psalter in Leben, Kultus und Geschichte erschienen (״The Psalter in Life, Worship and History,“ Oxford, 1926). Im Gegensatz zu H. Wheeler Robinson geht W. vom Verhältnis des Psalmisten zur Natur aus und weist (p. 20 u. 45) darauf hin, daß der universalistische Gedanke vorherrscht, wie in Ps 8, in 93, in 97 (unnötig ist hier die Konjektur v. 10: ,,Gott liebt, die das Böse hassen״; V. 12 zeigt, daß der Satz paräne tisch richtig ist, er stimmt auch mit Arnos ö15 überein). In Einzelheiten scheint der Verf. sich an Gunkel zu halten, so wenn er Ps 107 mit einem Priesterritual in Verbindung bringt (eine ganz unrichtige Auffassung; hier ist gerade eine typische universalistische, von jedem Sonder-Ritual entfernte Dichtung), oder wenn er 10426 die Konjektur ״Schrecknisse'4 mitmacht oder in Ps 90 von13 ab einen späteren Zusatz sieht (s. obige Bemerkungen zu Ps 90). Das Buch gibt aber im allgemeinen auf 118 Seiten einen sehr guten Ueberblick über die Gedankenwelt des Psalters. Die Literatur zur Bibel in französisch er Sprache ist durch ein interessantes Buch des in Nizza im Ruhestande lebenden hochbetagten ehemaligen Grand Rabbin von Marseille, Honel Meiss, bereichert werden: ״Echos des Psaumes dans le Talmud,“ Nice, 1926. 274 S. Es enthält eine Sammlung lehrreicher und gemütvoller agadischer Talmudstellen, welche sich anPsalterworte anlehnen. Der Verf. bemerkt mit Recht, daß es sich selten um eine wirkliche Exegese handelt und das Bibelwort oft nur zum Vorwand genommen wird. Die vielen schönen und kernigen Worte der Weisen sind selbst wenn sie nur fragmentarisch — mitunter unvollständig — angeführt werden, wohl geeignet, eine Vorstellung von der wahren Geistesart des Judentums nach der Zerstörung des Tempels zu geben (״un apergu general de la mentalite du Peuple de Dieu"). Auch der Verf. nimmt — wie seine Quelle, der Talmud — oft einen Satz nur zum Vorwand, um ein ausführliches, irgendwie damit zusammenhängendes agadisches Stück einzufügen, wie bei Ps 8 (״was ist der Mench“) die Konversation Moses mit den Engeln, bei Ps 118 (״dies ist die Pforte") die Dialoge Alexanders von Make- ״donien mit den Weisen in Asien. Als Beilagen sind eingefügt Lebens«״ bilder von mehreren berühmten Tannaiten (bei Simon b. Jochai auch