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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 295

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 Nehmen wir gleich Ps 1, der doch gar keine ernsten Schwierigkeiten bietet, so daß die Annahme, es hätten sich hier unrichtige Worte ein ge schlichen, den Vorwurf ganz besonderer Leichtfertigkeit für die alten frommen, den Text ordnenden Soferim enthält. Ueberflüssige Konjekturen gehen hier Hand in Hand mit einer unrichtigen Auffassung des Gedankens und mit einer falschen Datierung des Gedichtes. Gunkel übersetzt V. 2: ,,Sondern hat an Jhvs ,Dienst4 seine Lust und sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht“. ,Dienst4 soll statt תודח gesetzt werden, denn eine zweimalige Anwendung des Wortes ״widerspricht einer Regel der hebräischen poetischen Stilistik, wonach der Ausdruck im parallelen Glied wechselt“, weshalb auch schon Budde, Duhm und Graetz allerlei Verbesserungen sich gestattet haben. Daß es sich hier um ,,Gesetzesgelehrsamkeit“ handle und nach diesem Psalm ״ein wesentlicher Teil der Frömmigkeit in der innigen Vertrautheit mit dem Buchstaben der heiligen Schrift“ besteht, wird in gewohnter Art unter Hinweis auf Bousset hervorgehoben (ähnlich Kittel, Psalmen, 1914). Dies — ganz falsch — vorausgesetzt, wird der ״verwahrloste“ Text (S. 5) als eine ungeschickte Nachahmung von Jer 18־5ל hingestellt; der Psalmist habe die Kunst seines Vorgängers nicht erreicht; an Stelle des Gottvertrauens bei Jeremia sei bei ihm die :Gesetzesgelehrsamkeit getreten. Demgegenüber möge folgendes erwogen werden: 1. •ת1רד bedeutet in den Psalmen ebensowenig wie bei Jesaja (524 als Gegensatz zu den vorher gegeißelten sittlichen Vergehen; 24s; 51,) oder bei Hosea (4e) ein Buch oder ein geschriebenes Gesetz. Auch Jerem 912 ist es, wie -aus dem Beginn der Rede ersichtlich, nur der allgemeine religiös-sittliche Gedanke, und ebenso Ps 9412; 119! u. a. a. St.; 2.!חפי ist hier höchstwahrscheinlich nicht ״Lust“, sondern wie Jes 583 die T ages bes chäf tigung; 3. יהגה ist hier nicht Studium eines Buches, sondern wie 637 stilles Nachdenken; 4. יומם ולילה ist daher dem Sinne nach auf die beiden Glieder de s Satzes zu verteilen (wie לאפוד ולדשן Ex 257 und בשמים ובארץ Ps 1136): der Gedanke an Gottes Lehre leitet seine Beschäftigung am Tage und erfüllt ihn ebenso im Frieden der Nacht: בשכבך ובקומך Deut 67 (das vorherige אשד לא דלך entspricht auch dem ובלכתך בדרך). Dadurch wird klar, daß die Wiederholung ובתורתו nicht zu ändern, sondern s t i 1 i s t i sch unerläßlich ist. Wenn im Parallelismus der gleiche Gedanke variirt wird, dann müssen neue Worte gewählt werden; wenn aber eine Antithese beabsichtigt wird, dann ist ebenso unerläßlich ein gem e i ns am es Wort, dessen Wiederholung den Gegensatz um so plastischer hervortreten läßt, vgl. 46lt אדום בגוים אדום בארץ; Ex 213 בגפו יבא בגפו יצא. Wenn man bei Horaz liest: ,,Vos exemplaria Graeca Nocturna versate manu, versate diurna“ wird doch keinem Menschen einfallen, die Wiederholung als einen-Fehler anzusehen. Auch hier hätte gerade die Wiederholung auf die richtige Interpretation von חפצו und den rhetorischen Gegensatz führen sollen. 5. Sonach stimmt auch die Auffassung nicht, es liege hier eine Nachahmung Jeremias vor. Dabei ist Folgendes zu bedenken. Josua Kap. 1 (den .״Deuteronomisten“ zugeschrieben.) kann doch nicht später als zur Zeit Jeremias verfaßt worden sein. Nun war, als Jos 18 niedergeschrieben wurde, die psalmistische Sentenz bereits so allgemein vertraut, daß sie schon mißverstanden und umgedeutet werden konnte. Denn hei Josua.ist nicht mehr von der abstrakten Morallehre, sondern vom geschriebenen Buche .ספר דתורד die Rede, und ״Tag und Nacht“ werden bereits einseitig mit והגית ohne den Vordersatz zitiert, um (unter Einfluß von Deut 19ן-18ל) dem Führer das Studium des Gesetzes zu empfehlen, das der Psalmist nicht gemeint hat. Der Dichter denkt auch nicht an eine ״Scheidung der Gerechten von den Gottlosen“ (Kittel knüpft daran in seiner Weise einen Hinweis auf die tiefere christliche Frömmigkeit; Jesus nehme die Sünder an, ״zum Aergernis der Pharisäer44 — als wenn Jesus, wenn er dieses getan hat, über Ps 51^ hinausgegangen wäre), sondern in עצת רשעים ist das zweite Subst. adjektivisch und, wie אלהי כסף nicht ״Götter des Silbers44, sondern ״silberne Götzen44 sind, so sind hier eine

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