Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 293

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829948-2834067--47698-2834146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

293 zu finden ist, obwohl der Umfang dazu gedrängt hätte. Es kann also auch nicht, wie G. meint, gesagt werden, daß er die z e r e m on i e 11 e n Vorschriften als wahre Religion werte (darüber und über das Alter dieses Ps. vgl. meinen Aufsatz ״Hoolam" 1926, Nr. 2 u. 3, gegen Briggs Kommentar). Datierung bei G.: ״späteste Zeit der Psalmendichtungf' — wann ist das? — Ps. 137 wird noch immer (״Gattung": Flüche!) in die Zeit nach dem babyl. Exil verlegt und der letzte Satz standhaft übersetzt: ״Heil dem, der faßt und zerschmettert deine Kinder am Felsen!" mit der Bemerkung (S. 580): ״Kein Zweifel, daß der Psalmist vor solchem Zukunftsbilde nicht erschaudert, sondern daß er seine Augen an dem gräßlichen Schauspiel weidet." (I)1 — Vielleicht ist aber das Ganze ein arges Mißverstehen des Textes? Ist es unbillig zu verlangen, daß Vertreter der altt. Wissenschaft auch die hebr. Literatur verfolgen? Bereits 1924 habe ich im Sammelwerk ״Sefer Zikkaron" auf psychologische und sprachliche Momente hingewiesen, die uns zwingen, den Ps nicht als nachexilisch, sondern als Werk eines aus der assyrischen Gefangenv schaft heimgekehrten Dichters zu betrachten, und den letzten Satz als Zitat aus einem Kriegslied der Zeit Amazjas zu erklären, in welchem nicht von Kinder-Zerschmettern, sondern von den Begebenheiten bei der Eroberung von Sela — Edom, II Kön 147 und II Chron 25u-12 die Rede ist (עוללים bedeutet die kämpfende Jugend, Klagel. 15; die erwachsenen Nachkommen überhaupt, Ps 1714; in ,,Jeschurun", Berlin, 1926, 104—105, wird diese Erklärung noch durch die gleiche Bedeutung von אחז erobern hier und in der Mesa-Inschrift gestützt). In der Uebersetzung ist es im allgemeinen als nicht zulässig zu bezeichnen, daß der Verfasser gleich so vielen anderen Textverbesserem seine stark oder schwach (wir werden sehen, wie sehr schwach zumeist) begründeten Vermutungen einfach zur Grundlage der Uebertragung ins Deutsche macht und danach Worte aus dem betreffenden hebr. Texte wegläßt (sie werden durch röm. Zahlen ersetzt) oder frei einschaltet (durch Häckchen gekennzeichnet). Man hat m. E. nicht das Recht, einen Studierenden, der wissen will, was im Original wirklich steht, und der schon durch die Uebersetzung, wäre sie noch so gewissenhaft, viel vom Ursprüngliehen verloren hat, auch noch dadurch zu benachteiligen, daß man ihm willkürlich verstümmelte Sätze auf Grund subjektiver Einfälle an Stelle des seit mehr als zweitausend Jahren feststehenden, seiner Zeit von gelehrten Männern im Heimatlande der Bibel nach genauer Prüfung fixierten Textes bietet. Da ist es schon ein geringeres Uebel, wenn, wie bei Kautzsch, die nicht sicher erfaßten Textworte übergangen und durch Punkte angedeutet werden. Am besten wäre es, wenn die modernen Erklärer, die doch selbst im günstigsten Falle ihre vorgeschlagenen Aenderungen nur als Möglichkeiten betrachten müssen und nicht verbürgen können, sich mit der Anmerkung der- 1 Der Erzähler II Kön. 833, der kein Sänger der göttlichen Gnade ist, legt sogar dem Aramäer Hasael auf eine derartige Zumutung die Antwort in den Mund: Ist denn dein Knecht ein Hund?“ Umsoweniger ist, selbst wenn der Satz richtig übersetzt wäre, der Anwurf der Gemütsroheit gegen den Psalmisten berechtigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.