Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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291 981215־; cf. Ps 10422), daher auch הוללים hier nicht ,/Toren'V sondern wie 733 Synonym für רשעים ist, s. meinen Aufsatz in ״Hatoren“, Mai 1924. Daß היכל nicht gegen die Davidische Zeit spricht, hat Delitzsch eingehend dargelegt und es ist mindestens nicht zulässig, darüber, wie G. es tut, stillschweigend hinwegzugehen. Ein anderes Beispiel. Schön erfaßt ist (S. 39S) die Erhabenheit des Ps 90, in welchem der Blick des Dichters in die Anfänge der Welt schweift und das ganze Geschlecht der sterblichen Menschen überschaut, ,,Gattung“ — teils ,,Hymnus“, teils ,,Klagelied“. Inherkömxnlicher Weise wird das Gedicht als düstere Betrachtung beurteilt; ,,keinen Trost weiß der Dichter zu sagen und er kennt keine Hoffnung“; es sei aus zwei Stücken zusammengesetzt (das ist immer der Ausweg, wenn man den Faden nicht findet!) es habe ״mit Mose nichts zu tun.“ Nun habe ich a. a. St. gezeigt1, daß das ganze vierte Psalmenbuch, 90—106, durchweg seine Motive dem Pentateuch (besonders Genesis und Exodus) entlehnt, und daß die (Ps 1037-8 ausdrücklich angeführte) Vision Moses, Ex 3313-34, den Hintergrund von Ps 90 bildet, einer eigenartigen kunstvollen Dichtung aus der Seele Moses in jener Stunde, da er die Offenbarung der Gnade Gottes erflehte. Es ist danach nicht eine pessimistische Betrachtung, sondern der Dichter, der über seinem Stoffe steht und die mosaische Tradition bereits religionsphilosophisch bearbeitet, läßt Mose das düstere Bild des Menschendaseins und der Sündhaftigkeit entwerfen, d a m i t er zu dem Gebete gelange: ״Erfülle unsere Tage wie durch ein Morgenrot mit Deiner Gn a d e, auf daß wir jubeln und froh sein können“, worauf — wie der Dichter als bekannt voraussetzt — die Kundgebeung: ״Gott ist barmherzig und gnadenvoll, langmütig und reich an Huld, verzeihend Sünde und Vergehen“ tatsächlich erfolgte. Dadurch sind viele Eigentümlichkeiten der Diktion in 90 wie in 91 erklärt und vor allem dieUeberschrift תפלה למשה; zugleich aber wird ersichtlich,daß es sich im Psalter־ um viel feiner geartete Dichtungen handelt als um fabriksmäßige Gattungslieder. Nebenbei ist es ganz verfehlt, von einer Liedergattung zu sprechen ״die an einem Festtage, da man ״ Jhvs“ Thronbesteigung feiert, aufgeführt werden“. Wann soll derartiges Brauch gewesen sein? Das Walten des höchsten unfaßbaren Wesens war zur Prophetenzeit nicht Gegenstand von Volksfesten; volkstümlich waren die Baalim. Von der späteren Zeit kennen wir die Feste und die Psalmen, die an ihnen vorgetragen werden. Von einer ,,Thronbesteigungs-Feier“ Gottes, wie sie in Aegypten und in Babylonien begangen werden mochte, konnte in Israel nicht die Rede sein, was aber nicht ausschließt, daß z. B. Ps 24 (unzweifelhaft davidisch) und ähnliche Stücke unter Benutzung von baby- Ionischen und ägyptischen poetischen Formen verfaßt wurden. Als Fortschritt ist gewiss die eingehende Beachtung von Parallelen aus sumerisch-akkadischen und ägyptischen Urkunden zu betrachten. Die Konsequenz dieses von vielen Gelehrten konstatierten Einflusses von Ideen und poetischen Formen aus einer Epoche, die weit höher 1 In der Aufsatzserie über die Einteilung der fünf Psalmenbücher, ״Haolam“, Jan.—Febr. 1925. 19*