Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Berliner Judenkalender und die Kalendergelder
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 8)
- Language
- German
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281 der sich als untüchtig erwiesen hätte, und dessen Aufgabe er besser und billiger ausführen könnte1. Die mit Recht gerügten Mängel der Kalender waren nicht auf persönliches Verschulden des Berliner Druckers, wie seine Widersacher zu behaupten versuchten, sondern auf die Rückständigkeit seines Betriebes zurückzuführen, der sich in keiner Weise etwa mit der von Jtzig Speier unter Mithilfe der Ephraims eingerichteten Druckerei vergleichen konnte. Es war daher ein durchaus naheliegender Gedanke, einen anderen Drucker zu suchen, zumal wenn dieser die Kalender billiger und damit für den Auslandsabsatz vorteilhafter herstellen würde. Andererseits wollte man auf Aron Moses und Marcus Gersons persönliche Interessen Rücksicht nehmen,, und die Akademie konnte es sich nicht ohne weiteres gefallen lassen, daß ihre Rechte so mutwillig verletzt wurden. So versuchte man es mit dem Kompromiß. Auf Drängen der Oberältesten und Aeltesten Danielltzig, Hirsch David und JacobMoses wurden Marcus Gerson in Gegenwart der Gemeindevertreter Isaac Benjamin Wulff und Moses David Wallach neue Bedingungen für den unter strenger Kontrolle der Aeltesten herzustellenden Kalender auferlegt, in der Hoffnung, daß dadurch die gewünschte Besserung erreicht werden würde (5. Februar 1771)2. Ein nur unbedeutender Fortschritt wurde erzielt, im Grunde änderte sich wenig. Dabei verblieb es schließlich auch, alsPhilippFraenkel, getreu dem Vorbild seines Vaters, sich ebenfalls nicht mit der Her- Stellung des Manuskriptes begnügte, sondern den Druck und Vertrieb der Kalender in seine Hand zu bekommen suchte. Schützte ihn auch die Universität, die sich auf altes Herkommen berufen zu können glaubte, so schritt die Akademie etwas energischer gegen ihn ein, weil er nicht ,,denVerdacht einer vorsetzlichen Contra־vention von sich abgelehnt" und sich den Modalitäten nicht unterworfen hätte, welche in Frankfurt ,,beim Debit einländischer zum auswärtigen Debit verbothener Waaren üblich sind und ihm nicht unbekannt gewesen sein können", und verurteilte ihn zur Tragung des Schadens, der ,,exclusive des Deserviti des Fiskals Jochmus" auf 11 r 3 g festgesetzt wurde (22. Januar u. 13.Märzl784)3 *. Die Strafe 1 Daselbst Nr. 221 und 222. Der Konflikt war besonders heftig im Jahre 10לל. Das Datum zeigt, daß Aron Israel Fraenkel das Geschäft gemeinsam mit seinem Sohne Israel betrieb, der für dieses Jahr auf dem Kalender als Redaktor genannt wird. 2 Daselbst Nr. 222 mehrfach. Ueber Daniel Itzig s. bes. M. Freudenthal ,,Aus der Heimat Moses Mendelssohns“, Berlin 1910, S. 143 f. und 281 f. Note IIr über Jacob Moses s. Moritz Stern in den ,,Mitteilungen des Gesamtarchivsder deutschen Juden,“ 6. Jg. (1926) S. 14 ff. Hirsch David, (צפתלי הירש בן דוד יפרעגער gest. 1 73ל, Grabstein Nr. 55ל), war damals Aeltester, Isaac Benjamin Wulff (5*5יצחק אייזק דעם gest. 1802, Grabstein Nr. 650), einer der vier Kassen- Vorsteher. (Gemeindebuch, Handschr. im Gemeindearchiv fol. 181). Moses David Wallach משת רינטל (gest. 1795, Grabstein Nr. 60ל). Die Eingabe der Oberältesten und Aeltesten ist vom 16. Januar, ihr Bericht über den Probedruck eines ,,ordinairen“ und ״Comtoir Caienders“ vom 26. März 1771 datiert. 3 Daselbst Nr. 222. Ph. Fraenkel, der übrigens wie sein Vater in einem Attest merkwürdigerweise als Vorbeter bezeichnet wird, operierte damit, daß