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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 280

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Der Berliner Judenkalender und die Kalendergelder
Date
1927-01-01
Page
Seite 280 (sequence 7)
Language
German
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280 die Klagen über den angesichts der geringen Herstellungskosten exorbitanten Preis. Wurden anfangs für eine nicht genau angegebene Auflage an den Drucker 2, 5, 10 und schließlich 11 r 9 g gezahlt, so beliefen sich die Kosten für 1600 Exemplare im Jahre 1763 auf 23 r 17 g, später 58 r 14 g. Bei 6000 Judenkalendern wurden nach einer ungefähren Berechnung etwa 380 r verdient. Entsprechend hätten 4 Millionen christliche Kalender einen Gewinn von 253,333 r 16 g abwerfen müssen, was auch nicht annähernd der Fall war* 1. Den Berliner Interessenten an dem Kalenderabsatz entstand in Frankfurt a. d. O. in der Person des schon genannten Aron Israel Fraenkel ein Konkurrent, welcher in der unter Aufsicht und Jurisdiktion der Universität Frankfurt a. d. O. stehenden Druckerei von 1731—1756 und dann wieder von 1762 als Korrektor angestellt war. deutsch und hebräisch gut beherrschte und tüchtigen kaufmännischen Sinn bewährte. Ihm genügte die Rolle des Kalenderredaktörs nicht, er wollte selbst Unternehmer sein und leitete sein Recht zum Kalenderdruck aus zwei Attesten her, die ihm freilich nur seine Befähigung, nicht aber seine Berechtigung bescheinigten2. Trotz vielfacher Verwarnungen seitens der Akademie und auch seitens der Universität, die ihren Schützling auf höheren Befehl in die Schranken weisen mußte, setzte Aron Israel Fraenkel seine Konkurrenzmanöver,, vorzüglich auf dem Johannimarkt in Königsberg i. P. und auf der Frankfurter Margarethenmesse fort, so daß Aron Moses schweren Schaden erlitt. Sein Ziel war, das Recht zum Drucke der Kalender zu erlangen, und die Berliner Drucker Aron Moses und später Marcus Gerson lieferten ihm durch die schlechte Ausführung der Kalender die Argumente für seine Ansprüche geradezu in die Hand.. Und als gar Marcus Gerson ihm im Jahre 1770 statt der früheren Entlohnung (1 Louisd’or und 100 Kalender) nur einen Dukaten zahlte und keine Kalender lieferte, da begann er die Rollen zu ver~ tauschen und wurde selbst zum Ankläger gegen den Berliner Drucker״ von Bendix Fürst, בענדיט בר ירמיה, Sohn des Hamburger Dajan, gest. 1748״ Grabstein Nr. 1298 vom 13. Juli 1730, dann Beschwerde der Bresl. Kriegs- und Domänenkammer vom 18. Oktober 1762 in d. Akten Nr. 222; mehrfach noch in Nr. 221 und 222. Der Preis von 6 Groschen ist schwerlich richtig und wohl nur erfunden worden, um die Angebote der Frankfurter Drucker auf billigere Herstellung begründet erscheinen zu lassen. 1 Daselbst Nr. 219, 224 und 223. Die Kosten wurden so berechnet: 1763 etwa 1780 Druck und Lohn . 11 r 9 g Manuscript nebst Porto 11 r Buchbinder. ... 5r 8 g Druckerlohn u. Satz . . 42 r Korrektur .... 2r Korrektur ...... 1 r 14 g Zulage* (seit 1762). 5r Einband .. 4 r_ 23 r 17 g 58 r 14 g * Die Zulage erhielt Moses Marcus, weiter sich neue Schrift angeschafft hatte. 2 Atteste des Akademiepräsidenten D. E. Jabionski vom 16. Februar 1732 und des Generalfeldmarschalls Samuel Grafen von Schmettau (über ihn Harnack a. a. O. I1, S. 264 ff), vom 24. April 1744, sowie des Rektors der Univ. Frkf. a. d. O., vom 9. August 1768 in Akad. Akten Nr. 222. Ebenda auch die Vernehmung vor dem Universitätssyndicus im Oktober 1746.

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