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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 277

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Der Berliner Judenkalender und die Kalendergelder
Date
1927-01-01
Page
Seite 277 (sequence 4)
Language
German
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277 dracker Aron Moses1 solle den Druck ausführen ,,nach ihrer Sprach und Gesetze", und es sei ,,in alle seine (des Königs) Länder kein andrer Calender zu drucken, oder aus andrer Länder zu bringen in diese Lande"2. Daß solche und ähnliche Verordnungen wenig genützt haben, kann nicht bezweifelt werden. Die Tatsachen, die wir im Laufe unserer Darstellung noch anführen werden, sprechen eine deutliche Sprache. Die Akademie mahnte und drohte, neue Verordnungen ergingen, aber diejenigen, denen sie in erster Reihe galten, fanden immer einen für sie günstigen Ausweg. Auch das besonders eindringlich gehaltene und darum in den Kalendern ständig zum Abdruck gebrachte ״geschärfte Edikt" vom 7. März 1744 konnte keine Abhilfe schaffen. Wenige Monate darauf (30. Juli) sah sich Aron Moses genötigt, die Societät dringend zu ersuchen, sie möge in allen Judenschulen püblieieren lassen, ״daß in hiesigen Lande kein fremder Calender eingebracht und verkauft werden solle, wie auch mit schwerer Bann zu belegen ausbitte, wie bißhero geschehn, damit der Calender wie bißhero geschehn, seine Kräffte behalte3." Bei diesem ewigen Hin und Her verblieb es, solange die Akademie ihr Monopol besaß. 2• Der Druck der Berliner Judenkalender. Der erste, unter Approbation der Societät erschienene Judenkalender wurde in Frankfurt a. d. O. von Michel Gott schalk4 im Jahre 1725 gedruckt und war für das Jahr 1726 bestimmt. Seitdem wurden die Kalender in Berlin hergestellt. 1726 war Natan Marcus5 Drucker, für 1727—1731 wird in den Akten Marcus Abraham (R. Mordechai Tokles)6 genannt, mit dem Hinzufügen, daß das Manuskript des im Jahre 1727 gedruckten Kalenders in Frankfurt a. d. O. hergestellt wurde und die Societät dafür durch Professor G r i 1 o (auch Grillo)7׳ zwei Reichsthaier zahlen ließ. Marcus Abraham war selbst nicht der Drucker, sondern ließ den Druck für Rechnung der Akademie ausführen. In welcher Offizin dies geschah, kann, da Kalender aus dieser Zeit nicht zu beschaffen waren, nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vermutlich war es die Druckerei des 1 lieber ihn später. 2 Akad. Akten Nr. 219. 3 Daselbst Nr. 222. 4 Ueber ihn Steinschneider-Cassel in Ersch ־und Gruber ״Allg. Encyklopaedie etc.“ 2. Sektion Bd. 28, Artikel ״Jüdische Typographie und Jüdischer Buchhandel“, S. 88. Wir geben im folgenden im wesentlichen nur die Daten für das 18. Jahrh., da diese allem hier Interesse haben. 5 Er dürfte mit Natan Neumark, dem Sohne Levin Davids (Jehuda Neumark b. David, Lob Hanau, auch Moses Jehuda, gest. 1723 in Berlin, Grabstein Nr. 252), identisch sein, der die Druckerei des Vaters übernahm, die grade um diese Zeit blühte. Siehe Steinschneider-Cassel a. a. O., S. 90 und L. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin II, S. 53. Die Grabsteine und Todesdaten werden nach dem in der hiesigen Gemeindebibliothek verwahrten handschriftlichen Nachlaß Landshuths zitiert. 6 Ueber ihn Landshüth a. a. O., S. 20/23. 7 Ueber ihn Steinschneider-Cassel a. a. O., S. 89.

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