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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 5 · p. Seite 254

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 5
Article
Die Normierung des Glaubensinhalts im Judentum
Date
1927-01-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 für seine aktive Mitarbeit an ihren Aufgaben, wird damit die religiöse Grundlage gegeben. Doch gleichgiltig, wie hoch man die Bedeutung dieser tatsächliehen Wandlung iminhalt des jüdischen Glaubens einschätzt, grandsätzlich ist jedenfalls die Bindung an die Autorität der Ueberlieferung auch in dogmatischer Beziehung geschwunden und die überkommene Form der Glaubensnormierung hat ihre Grundlage verloren. Der im Einzelnen viel Wertvolles enthaltende Aufsatz Goldmanns: ,,Die dogmatischen י Grundlagen der jüdischen Religion“ (Monatsschrift Bd.70440 ג ff.) leidet an dem prinzipiellen Fehler, daß er diesen Gegensatz zu verwischen und den Begriff des Dogmas so zu bestimmen sucht, daß er für die verschiedenen Auffassungen gleichmäßig paßt. Er baut, um das zu erreichen, seine Dogmenlehre auf einen Begriff der Göttlichkeit der Thora auf, der ihre Verbalinspiration und die unvergängliche Geltung aller ihrer einzelnen Lehren fallen läßt und nur die Einheitlichkeit und Verbindlichkeit ihres ,,Geistes“ festhält (S. 445). Diesen Begriff auch dem überlieferten Judentum unterzulegen ist natürlich schlechterdings unmöglich. Gleichviel, wie alt das Prinzip der Verbalinspiration ist —, daß es weit älter ist als Rabbi Akiba lind indem Streit zwischen Pharisäern und Sadduzäern bereits vorausgesetzt wird, steht außer Frage —, seit seiner Entstehung hat es jedenfalls das überlieferte Judentum beherrscht, und es geht nicht an; diesem einen Begriff der Göttlichkeit der Thora von ,,anderer, tieferer Bedeutung“ zuzuschreiben. Für die geschichtliche Erkenntnis des überlieferten Judentums ist ein solcher liberalisierter Begriff der: Göttlichkeit der Thora ohne Zweifel irreführend. Tatsächlieh ist dieser Begriff bei Goldmann auch nur scheinbar historisch, in Wahrheit aber :normativ gemeint, d. h. er will den religiös bedeutsamen Kern des Inspirationsbegriffs festhalten, um mit seiner Hilfe den bleibend gütigen :Gehalt der jüdischen Lehre festzulegen. Das diesem Versuch zu Grunde liegende Motiv ist durchaus berechtigt. Die Aufgabe des alten Autoritätsprinzips stellt die jüdische Theologie vor die Notwendigkeit, mit anderen Mitteln ihren Glauben als jüdischen auszuweisen׳ und zwischen Jüdischem und Nicht jüdischem die Grenze zu ziehen. Das Problem hat innerhalb des Judentums keine allzugroße praktische Bedeutung erlangt, weil in den Grund- Prinzipien des jüdischen Glaubens tatsächlich kein Wandel eingetreten und die Einheit des Glaubens im Judentum, soweit es überhaupt noch religiös bestimmt ist, unerschüttert geblieben ist. . Allein das ändert an der theoretischen Bedeutung des Problems nichts. Seine Lösung liegt in dem Begriff des ,,Geistes“ oder des ,,Wesens“ des Judentums, der mit Recht von der neueren jüdischen Religionsphilosophie ihrer Arbeit zu Grunde gelegt wird. Die Uebereinstimmung mit Geist und Wesen der jüdischen Lehre verbürgt den jüdischen Charakter unseres Glaubens. Aber freilich sind diese Begriffe theoretisch außerordentlich schwierig. Eine klare Bestimmung des Wesensbegriffes ist, wie seine Diskussion in der christlichen Theologie zeigt, eine überaus komplizierte Aufgabe, die hier auch nicht andeutend in Angriff genommen werden kann. Nur das eine ist zum Abschluß unserer jetzigen Erwägungen noch zu sagen: mit Hilfe des Wesensbegriffes läßt sich nicht, wie es bei Goldmann oft scheint, eine neue autoritative Nor-

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