Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Normierung des Glaubensinhalts im Judentum
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
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255 xnierung des Glaübensinhaltes erreichen. Die Kriterien, die zur Be- Stimmung des Wesensbegriffs führen, sind innere und als solche not- - wendig ״subjektiv“; Das gilt schon von der rein historischen Wesensbestimmung, erst recht von ihrer normativen Verwertung. Diese Subjektivität aber schließt eine autoritäre Bindung des Glaubens offensichtlich aus, Auch wo die Loslösung von dem alten Autoritätsprinzip denllnhalt des Glaubens ungeändert läßt, wird doch sein Geltungscharakter ein wesentlich anderer. Nicht nur die Anerkennung der inhaltlichen Wahrheit der;Glaubensprinzipien, sondern auch die Bejahung ihres jüdischen. Charakters wird Sache der persönlichen Einsicht und religiösen Ueberzeugung. Das wird um so deutlicher,'je mehr man begreift, daß das Wesen des Judentums nicht in: einer Reihe von einzelnen Glaubenssätzen besteht, sondern in einer einheitlichen religiösen Grundüberzeugung, die den Glaubenssätzen zu Grunde liegt und ihnen erst ihren religiösen Sinn verleiht. Diese Glaubensüberzeugung aus ihrem vorstellungs- und gedankenmäßigen Ausdruck herauszulösen ist die entscheidende Aufgabe der Wesensbestimmung, die es erst ermöglicht, die Vielheit der :Einzellehren als Ausdruck eines;einheitlichen religiösen Sinnes zu begreifen und in der wechselnden begrifflichen Darstellungsform den konstanten religiösen Gehalt festzustellen. Sie ist darum auch die Grundlage der Ent- Scheidung darüber, ob bestimmte Einzellehren notwendig'mit dem Wesen des Judentums verbunden sind. Diese Fassung der Aufgabe läßt den subjektiven Charakter der Wesensbestimmung noch deutlicher hervortreten, eine Subjektivität freilich, die keine Angst vor Willkür und individuellem Belieben zu erzeugen braucht. Statt einer theoretischen Begründung dieser Tatsache genüge der Hinweis auf das tatsächliche Ergebnis der bisherigen Forschung, die im Wesentliehen dem geschilderten Verfahren gefolgt und dabei zu einer bemerkenswerten Uebereinstimmung in der Auffassung des Judentums gelangt ist. Wichtiger aber noch als diese Ueberejnstinlmung in der wissenschaftlichen Bestimmung des jüdischen Glaubens ist die. Einheit, die sich im Glauben selbst erhalten hat. Die an die Stelle der äußeren Normierung des Glaubens getretene innere Bindung an die religiösen Grundüberzeugungen ,des Judentums hat sich als fest genug erwiesen, um dem Judentum seine einheitliche Glaubensgrundlage zu erhalten. Ritualmord und Eselskult. Ein Beitrag zur Geschichte antiker Publizistik. Von E. Bickermann in Berlin. (Schluß) II. Eselskult. Die Fabel vom jüdischen (und christlichen) Eselskult, die auch von so ernsten Schriftstellern wie Tacitus und Plutarch zitiert wurde, beschäftigte die Gelehrten seit der Renaissance und die Hypothesen über ihre Entstehung zählen weit über ein Dutzend1. Wenn wir 1 Vgl. die Literaturangaben in Artikeln von S. Krauß ( Jew. Enc. II, 222); H. Leclercq (Dictionn. arch^olchr£t. I, 2, 2042) und Th. Zielinski (russ. ' Jüdische Encycl. III, 268).