Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Schriften zur Bibelwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 6)
- Language
- German
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225 knappen schnellen Bilde bestehen könne, die Erscheinung bei Ezechiels erstem Erlebnis als Prophet (Kap. 1) auf die vv. 4 u. 28. Alles Dazwischenstehende, die Beschreibung der Tiere, des Thron-’ wagens, der Gestalt auf dem Thron, ist nach ihm die Arbeit von Redaktoren. Es ist keine Frage, daß auf diesem Wege sehr schöne Gedichte entstehen: vgl. z. B. den rekonstruierten Text Kap. 41, das wirkungsvolle poetische Stück, in welchem der Prophet den Belagerer Jerusalems durch seine eigene Person symbolisiert; oder 152—5 das Lied vom Rebholz; oder Kap. 17 der Sang von den beiden großen Adlern; oder das Schwertlied 2114 ff. Den letzten Teil des Buches, die Vision vom neuen Jerusalem, glaubt er dem Propheten überhaupt absprechen zu sollen. Die Aesthetik im Werk des ,,Dichters“ gewinnt unstreitig durch ein solches Verfahren, das freilich der Subjektivität einen allzu großen Spielraum läßt. Solche Ausscheidungen führen zu einem ganz neuen Bilde von der Persönlichkeit des Propheten. Indem Hölscher den echten Ezechiel von all den dunklen, trüben religiösen Vorstellungen ent״ . lastet, die man gewohnt ist, einem engherzigen exklusiven Klerikalismus auf Rechnung zu setzen, erstrahlt er, völlig unbefangen und unberührt von priesterlichem Ritualismus, in universalistischem Glanz. Alles das, was diesen Mann, diesen Priesterssohn, der sehn״ süchtig nach rechtem reinem Kult hinschaut und dessen Untergang betrauert und sich nichts Herrlicheres zu wünschen vermag als die Auferstehung des Tempels, zum ״Vater des Judentums“ gemacht hat, ist in der Tat nach H. nicht ihm zuzuschreiben; das haben alles die späteren Bearbeiter getan. Der Prophet, ein vom Unglück seines Volkes leidenschaftlich ergriffener Patriot, ein Visionär, aber nicht von pathologischen Zuständen gepeinigt, wie man oft geglaubt hat, steht vielmehr in seinen Gedanken und auch in seiner Stellung zum Kult dem Jeremia nahe. Die Brücke zur Tora, insbesondere zum Heiligkeitsgesetz und zum Deuteronomium, wird nicht durch ihn, sondern vielmehr durch jene Theologen gebildet, die in dem nach ihm genannten Buche ihr Wesen treiben. Wir haben nicht die Ueberzeugung erlangt, daß mit den Mitteln kritischer Analyse dieser ״pseudepigraphische“ Charakter des Buches Ezechiel wirklich auf gezeigt worden wäre. Wenn dieser tatsächlich in dem von Hölscher gemutmaßten Umfange sich herausstellen würde, so müßte man glauben, daß das Anonyme, die Masse, von unvergleichlieh größerer historischer Wirkung gewesen ist, als die große, klare, eindeutig erfaßbare Persönlichkeit. Aber dieses Urteil soll kein Argument gegen Hölschers Auffassung sein, sondern nur die sich aufdrängende Konsequenz, die laut aus seinem Buche zu dem Leser spricht. Aus der Reihe der Einzelwörterbücher zum A. T. (Hrsg, von Friedrich Baumgärtel, verlegt bei Töpelmann, Gießen) ist anzukündigen das hebräische Wörter bu c h zu Jesaia von Johannes Hempel (2. Heft 1924) und das zu Jeremia von Wilhelm Rudolph (3. Heft 1927). Die Hefte beschränken sich nicht darauf, die Stämme der tatsächlich vorkommenden Worte anzugeben, sondern sie wollen, wie Rudolph sagt, damit der Uebersetzer sich nicht unnötig abquält, auf ver- Monatsschrift, 71. Jahrgang. to