Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Schriften zur Bibelwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 5)
- Language
- German
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*224 festgewordenen, — man möchte sagen — theologischen Besitz hervor; es ist zur Selbstverständlichkeit erwachsen. Man wird unter diesem Gesichtspunkt auch die verschiedene Tönung verstehen, welche ־die Ablehnüng des Opfers in 110 ff und in 4016 erfährt; Nach allem glaube ich nicht, daß K.s Thesen in der Hauptrichtung ihrer Absicht erfolgreich sind. Er will aber nicht nur die Einheit des Buches beweisen, sondern auch seine Redaktion durch ״den Propheten selber. Er findet sogar in den Anfangsbuchstaben der vv. 2, 5, 3, 4 des 1. Kapitels das Wort שעיה als Abbreviatur für. ישציהר! Ja, selbst das 6. Kapitel, die Berufungsvision, steht• an ihrer richtigen Stelle. Warum? Weil es sich gar nicht um die wirkliche Berufung, sondern um eine höchst merkwürdige Einklei•- düng eines prophetischen Gedankens in die Form der göttlichen ..Berufung handelt. K. kombiniert den Bericht II Chr. 261e—21 mit Jes 6. Warum, fragt er, bezeichnet sich Jesaia in der angeblichen Berufungsvisiön als Mann unreiner Lippen? Antwort: der Prophet Identifiziere sich hier im prophetisch-dichterischen Bilde mit dem König Usia-Amazja. Der habe, wie die Chronik berichtet, seinen frevelhaften Versuch, den Priesterdienst zu usurpieren, mit der furchtbaren Plage des Aussatzes büßen müssen; er sei unrein geworden, und abgesondert von den Gesunden, das Wamungswort unrein, unrein auf den Lippen, habe er bis zu seinem Tode die Stadt meiden müssen. Daran denke Jesaia, und dem Unrein des kranken Königs setze er das dreimalige Heilig des Gottes der Heerscharen entgegen. So erkläre es sich, daß dieses Kapitel die Form der prophetischen Berufung trägt, während die Berufung selber schon voraufgegangen sei. Man wird dieser Erklärung noch weniger folgen wollen als dem Versuch, nachzuweisen, daß im ganzen Buch Jesaia ein Geist weht. Eine bedeutsame Weiterbildung der kritischen Ansichten über ״das Buch Ezechiel und die Persönlichkeit des Propheten bringt im 39. Beiheft zur ZAW (Töpelmann, Gießen 1924) Gustav Hölscher, Hesekiel, der Dichter und das Buch. Die Untersuchung erstreckt sich, die Ergebnisse ineinander arbeitend, nach drei Richtungen hin: 1. Literarkritische Analyse des Buches; 2. die Persönlichkeit des ,,Dichters"; 3. die theologische Stellung des Propheten, und diejenige der das Buch ergänzenden Redaktoren. Seitdem Kraetzschmars Kommentar die textlichen Schwierigkeiten durch die Annahme paralleler Rezensionen, die redaktionell :ineinander verwoben worden seien, zu beheben gesucht, hatte die Kritik einen mächtigen Anstoß erfahren. Die meisten Neueren, wie z. B. Herrmann, verwerfen die Parallelenhypothese und sind geneigt, an einen echten ursprünglichen Kern spätere Zutaten angeknüpft :zu sehen; sei es, daß diese Zusätze von der Hand des altgewordenen Propheten selber herrühren, oder daß andere hierbei im Spiele gewesen sind. Hölscher behandelt das Buch Ezechiel ähnlich wie Duhm den Jeremia; das heißt, er nimmt eine Fülle später Zusätze und Bearbeitungen an, aus denen im Grunde die echten Worte Ezechiels herausragen wie Inseln aus dem Meere. So reduziert er z. B. unter Berufung darauf, daß eine echte Visiön nur in einem