Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Schriften zur Bibelwissenschaft [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 4)
- Language
- German
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ע22 eines Buches, welches in der jüdischen Liturgie eine solche Rolle spielt wie dieses, aus dem zahlreiche Haftaroth der Sabbate und sogar des Jom Kippur genommen sind. 2. Daß Esra und Nehemia, die doch mancherlei von den ..'um die Zeit des zweiten Tempels auf״ tretenden Propheten wissen, sich über diesen großen Unbekannten gänzlich ausschweigen. —י Auf die beiden Argumente könnte man erwidern, daß die palästinischen und sogar die am Euphrat wohnenden Zeitgenossen des Propheten von ihm nichts gewußt zu haben brauchen,, wenn er in einiger Entfernung von den damaligen jüdischen Zentren seine Verkündung einem kleinen Kreise vorgetragen hat. Was wissen wir z. B. davon, was sich damals unter den Juden Klein״ Asiens oder Aegyptens abgespielt hat? 3. Daß im Babylonierreich ein jüdischer Prophet nicht gewagt haben sollte, großmächtigen? Königen und einem gewaltigen Volke zuzurufen, daß sie vor dem Weltengott ein Nichts seien, daß dieses bloß demjesaia zu Jerusalem nach der Vernichtung der großen assyrischen Armee möglich gewesen, kann nicht einleuchten. Denn wieviele Möglichkeiten gibt es, die dergleichen trotzdem gestattet haben! Auf die Vermutung eines neuerlichen Interpreten, daß dem revolutionären. Propheten seine Kühnheit in der Tat übel bekommen sei, mag nur nebenbei hingewiesen werden. Im Uebrigen wissen wir, daß im Ausgang der babylonischen Herrschaft eine schlaffe und matte Regierung die Zügel, sehr ruhig in die Hände des Cyrus fast wie in die eines legi״ timen Nachfolgers hinübergleiten ließ. Und auch das wäre nicht ausgeschlossen, daß der Prophet in so engen jüdischen Zirkeln auf״ trat, daß die anderssprechende Umwelt von ihm kaum viel erfuhr. In der jüdischen Geschichte ist es bis auf den heutigen Tag sehr oft geschehen, daß Ereignisse, die uns ungeheuer wichtig erschienen, von unserer Umgebung nicht einmal bemerkt, geschweige denn be״ achtet wurden. Sicherlich ließen sich noch mehr Möglichkeiten konstruieren. 4. Es soll mit keinem Worte von der Rückkehr die Rede sein? *— Es wird doch immerfort die Verheißung laut, daß das zersprengte Volk gesammelt werden soll: z. B. 40435 ,419 ,*מf,. 4820 spricht ausdrücklich vom Auszug aus Babel und dem Chaldäer״ land. Auch die übrigen Argumente haben keine größere Beweis״ kraft. Daß die Weissagungen des sog. Deutero-Jesaia eine merk־ würdige Unbestimmtheit zeigen, eine Einstellung auf klar erkenn״ bare Situationen und konkrete Ereignisse kaum gestatten, daß vor dem ungeheuren Enthusiasmus der bevorstehenden Befreiung aus Babel und aller Welt jede andre Stimmung, verblaßt, ist zweifellos richtig gesehen. Aber das scheint uns gerade im tiefsten das Pathos des Zweiten von dem des Ersten zu unterscheiden, der stets,, selbst in Reden wie 26ff und 316ff, wo sieh's um die Malung von Zuständen handelt, bildhaft klar festumrissene Situationen zeigt.. Auch das Kreatürlichkeitsgefühl der beiden, in dem einen wie im andern Faile die tiefste Quelle der persönlichen Religiosität, ist doch ganz verschieden nuanciert. Bei dem alten Propheten sieht man,, wie es eine von eigener Seele erkämpfte Empfindung ist, der die Umwelt־ offenbar noch völlig verständnislos gegenübersteht. Das״ Gefühl ist erst auf dem Wege, objektive Religion zu werden. Beim Deuterojesaia aber fließt gerade diese Stimmung aus einem schon-