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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Aus den Jugendjahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe
Date
1927-01-01
Page
Seite 215 (sequence 9)
Language
German
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215 Jahre 1784. Der erste fordert die Judenschaft des vormaligen badenbadischen Gebiets auf, zur Neuvornahme der Schätzung am 24. Siwan in Bühl zu erscheinen, da schon mehr als acht Jahre keine Neueinschätzung erfolgte, eine solche aber gemäß der Judenschafts- Ordnung alle drei Jahre vorgenommen werden soll. Nichterscheinende haben 10 Rtlr, Strafe bei den Ober- und Aemtern zu zahlen. Man wird die Anwesenden nicht auf halten, so. daß jeder bald wieder in Frieden heimkehren kann. Das zweite Schreiben ging an הקצן הנעלה Feiss כ4ך in Kuppenheim, den Vorsteher des Verbandes zur .Erhaltüng des dortigen Friedhofs. Wegen der Beitragsleistungen scheinen Unstimmigkeiten bestanden zu haben. Tia Weil schrieb deshalb: Da Ihr jedesmal am ע׳ר׳ח Elul zu mir sagtet, daß ich wegen der Beiträge einen Vergleich bewirken möchte, ich aber allein in der Sache nichts tun kann, sondern nur, wenn alle Bezirksgenossen anwesend sind, habe ich versprochen, Euch solches (die Zusammen^ kunft der Bezirksangehörigen) mitzuteilen. Ich habe nun durch Rundschreiben eine Versammlung in Bühl auf 24. Siwan angeordnet und werde die ganze Woche dorten sein. Mithin könnt Ihr oder ein anderer Euch Auftrag oder; Vollmacht von der Judenschaft in Neustadt (Neufreistett), Fichtenau und Bische (Rheinbischofsheim)1 u. a. zum Verband gehörender Ortschaften geben lassen, daß sie damit zufrieden sind, wie der Vergleich mit Euch zustande kommt. Man wird Euch nicht lange aufhalten usw. Ueber die Verhältnisse der Karlsruher Gemeinde während der letzten drei Dezennien des 18. Jahrhunderts geben noch zwei Ur - künden weitere Auskunft; Die mißliche Finanzlage zwang 1772 wiederum zur Einführung neuer Steuern. Eine. Kommission, be-, stehend aus dem Landrabbiner Tia Weil, dem Schultheißen Salomon Mayer, den Vorstehern Jakob. Flerschheim, Seligmann M. Ettlinger,.. Kaufmann Levi und den Deputierten Löb Seligmann, Löb Salomon,: Natan Homburger, Emanuel Reutlinger und Faber Durlach leistete, dieses Mal die Vorarbeiten. Das in hebräischer Kurrentschrift ab-, gefaßte Protokoll, als Schreiber amtete der ,,öffentlich und ge- :schwohrene“ Judengerichtsschreiber Herz (Hirsch) Hammel, befindet sich sowohl im Original als auch in einer, allerdings mangelhaften, deutschen Niederschrift bei den Akten. ׳ Letztere scheint später zur Vorlage an die Regierung angefertigt worden zu sein. In dem Vorspruch des Originals wird darauf hingewiesen, daß der Gemeinde für Zinsen von aufgenommenen Kapitalien als auch für Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden große Ausgaben er־!• wachsen, während die Einnahmen aus der Schatzung, dem Almosenfonds, den Schächtzeichen, dem Bankgeld, den Wirtschaftsgefällen und dergleichen immer geringer werden, so daß die Gemeinde nicht mehr imstande ist, die großen Ausgaben auf dem bisherigen Fuße der Einkünfte und Verordnungen zu bestreiten. Da es in diesen schlechten Zeiten ohnedies jeden Tag schlimmer wird, so hat die eingesetzte Kommission mit Zustimmung des Rabbiners folgendes resolviert und beschlössen, was als Anordnung .der Gemeinde an- . ,1 Die genannten Orte gehörten damals zur; Grafschaft Han au-Lichtenberg,, waren aber dem Friedhofverband Kuppenheim angeschlossen.;

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