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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 214

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Aus den Jugendjahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe
Date
1927-01-01
Page
Seite 214 (sequence 8)
Language
German
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214 beglaubigter Auszug des wohl hebräisch niedergeschriebenen nicht mehr vorhandenen Originals — er mag wohl derselbe gewesen sein, der seinerzeit von Rastatt angefordert worden war —י liegt den Akten bei. : Demnach bezog Tia Weil von der Karlsruher Judenschaft einschließlich einer Zulage von 65 fl. ein Jahresgehalt von 129: fL. Die Landjudenschaft leistete jährlich 45 fl. Die Sporteln waren niedriger als die für Baden-Baden. Auf der Juden Osterfest hatten die Karlsruher Juden ihrem Rabbiner 100 Pfund Mehl und zum. Lauberhüttenfest einen ״Meeräpfel“ zu liefern. ״ Es war eine vielseitige Tätigkeit, die dem Landrabbiner der badischen Markgrafschaften erwuchs und die allein eine volle Kraft erforderte. Um so mehr muß es die Nachwelt mit Bewunderung erfüllen, daß Tia Weil gleich seinem Vater lieben diesen aufreibenden Berufspflichten noch. Zeit für Lehrtätigkeit und wissenschaftliche Arbeit fand. . Sowohl die Karlsruher, als auch die baden-durlachische und baden-badische Judenschaft hatten die Einkünfte ihres geistigen und religiösen .Führers so gestaltet, daß er sorgenlos leben konnte. Sein gesamtes festes Gehalt (jährlich 227 fl.) und die recht beträchtlichen Gefälle ergaben ein Jahreseinkommen, das dem hoher Regierungsbeamten jener Zeit entsprach. Und als 1782 die Bezüge für Inventuren mäßig verringert wurden, so daß der Rabbiner sich hierdurch geschädigt fühlte,, erhöhte Karlsruhe seinen festen Gehalt auf 150 fl.1 und die Landgemeinden (der Beschluß wurde in Anwesenheit von Vertretern aus Königsbach, Pforzheim, Stein, Grötzingen und Liedolsheim gefaßt) auf 75 fl. Trotzdem seit; 1771 die Markgrafschaft Baden- Baden infolge Aussterbens des Mannesstammes mit Baden-Durlach vereinigt worden war, bildeten die baden-badischen Juden noch immer eine gesonderte Genossenschaft. Ob auch sie damals die Bezüge des.. Rabbiners erhöhten, ist nicht ersichtlich. Die Neuregelung des Rabbinergehaltes bedurfte der Regierungsgenehmigung. Diese erfolgte im August 1782 auf drei Jahre unter der Voraus- Setzung, ״daß ein weiteres als stipuliert worden, dem Rabbiner weder, bedingungsweise noch unter dem Namen eines freiwilligen.-Douceurs gegeben werden soll“. Das Oberamt hat nach Verlauf der zur Erprobung festgesetzten Zeit über den Erfolg zu berichten, inmittelst aber genau darauf zu achten, daß das Reglement nicht!überschritten werde. Dem Herrn: Rabbiner wurde dieses am 19. September 1782 ״insinuiert“. Die einem Juden gegenüber gebrauchte Bezeichnung ,,Herr“ war in damaliger Zeit etwas so Außergewöhnliches, daß hier besonders darauf hingewiesen werden muß. Sie bekundet übrigens, welches Ansehen Tia Weil auch bei Nichtjuden genoß. . Einen kleinen Einblick in die umfangreiche. Tätigkeit des R. Tia Weil gewähren zwei׳ hebräisch geschriebene Brief entwürfe. aus dein. ' 1 Dies geschähen derselben Zeit, in der Kjrchenrat Tittel in einerh: Gutachten an die Regierung, ob ־und•was ans dem Toleranzedikt Kaiser.׳J.o.sef;II.•, ־über die Juden hier zu, applizieren sei, ausführte: das Haupthindernis (fei*. Jamals , angestrebten deutschen Schulung der Judenkinder sei die . Armut der Karlsruher Juden. Da kein Gemeindeeigentum vorhanden sei ,müßtensie alles durch Umlagen decken, und die wenigen Reichen könnten die Last allein nicht tragen. (Yergl.. Lewin,. A., Geschichte der bad.f J,uden, S. 22.) t

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