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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Aus den Jugendjahren der jüdischen Gemeinde Karlsruhe
Date
1927-01-01
Page
Seite 212 (sequence 6)
Language
German
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212 ,,Sein Schreiben, aus dem ich die Annahme des hiesigen Rabbinats und in der Landschaft ersehen konnte, habe ich richtig erhalten und mich sehr darüber gefreut. Auch habe ich Seinem Briefe an Seine Mutter, die ehrwürdige Rabbinerin, entnommen, daß Ew. Ehrwürden noch einige Anstände (Bedenken) hat, so wegen der Einkünfte, wegen der Zulage von 50 fl., wegen der Wohnung und wegen der Schwierigkeiten des Rabbinats in der Markgrafschaft Baden- Baden. Was die Einkünfte betrifft, so sollen sie ganz nach dem Stande bemessen werden, wie sie Sein sei. Vater gemäß beiliegender Abschrift des Rabbonusbriefes hatte1. Die verlangte jährliche Zulage von 50 fl. will ich ebenfalls akzeptieren und Ew. Ehrwürden zugestehen. Bezüglich der Herstellung der Wohnung habe ich schon die wirkliche Einrichtung besorgt, die ganz wohl und gut ist, womit auch Seine Mutter gar wohl kontentiert ist und große Freude hat. Was aber die baden-badische Markgrafschäft betrifft, so ist zwar die gesamte dortige Judenschaft dahin disponiert, (den seitherigen Vertrag zu erneuern). Nur für die Gemeinde Bühl, die noch Anstände hat, kann ich nicht bürgen, ob sie auf Seine Seite persuadiert. Ich glaube aber, wenn Ew. Ehrwürden einmal selbst auf dem Platze erscheinen wird, so wird sich alles zum Guten und nach Wunsch geben. Ich traute mir zwar zu, durch den Markgrafen (von Baden- Baden) es dahin zu bringen, habe aber Anstände, ob solches wohl getan sei. Was von Ew. Ehrwürden resolviert ist, Seine Reise hierher in zwei Teilen einzurichten, so halte ich solches nicht für■ wohlgetan wegen der großen Ausgaben, welche bei einem Umzuge manuschiert werden. Wenn aber Ew. Ehr würden bei seiner gefaßten Resolution zu bleiben gedenkt, so geschähe mir und den Gemeindebürgern eine Liebe, wenn Ew. Ehrwürden auf nächsten Chanukah zu uns käme, was auch wegen der baden-badischen Angelegenheit zu Seinen! Besten sehr nützlich wäre. Um baldige Antwort bittend, bin ich mit vielen Grüßen Ew. Ehrwürden ergebener Salomon Wesel (Mayer). Obschon das markgräfliche Anstellungsdekret für ,,den dermalen in Prag sich enthaltenden •Dill ■Weil“ schon am 19. August 1769 ergangen war, trat dieser erst im Mai 1770 sein neues Amt an2. Salomon Meyer hatte inzwischen schon versucht, die Unstimmigkeiten in einigen badembadischen Gemeinden durch Vermittelung der Regierung zu beseitigern. Eine an ihn am 25. Mai 1770 ergangene Resolutiön der baden-badischen Regierungs-Kanzlei besagt: ״Man hat 1 Aus der den Akten beiliegenden Abschrift des Rabbonusbriefs v. 1750 ist ersichtlich, daß Natanael Weil jährlich 50 Rtlr. (75 fl.) von der Gemeinde Karlsruhe und 30 fl. von den baden-durlachischen Landgemeinden bezog. Die abgelegene Ortschaft Münzesheixn und das teilweise zur Gutsherrschaft von St. Andre gehörende Königsbach zahlten ihre Beträge gesondert. Hierzu kamen noch verschiedene Gebühren, die der Rabbiner für religiöse Funktionen und gerichtliche Handlungen.zu beanspruchen hatte. (Vergl. Löwenstein a. a. O. S. 54, Beilage 8 u. Zehnter a. a. O. N. F. XV, 584 ff.) * Vergl. Löwenstein a. a. O. S. 28. Die Annahme Löwensteins, daß sich Tia 1770 um das Rabbin at Fürth i. B. beworben und im Nissan desselben Jahres dort gepredigt habe, scheint nicht zuzutreffen, da — wie bereits erwähnt — die amtliche Anstellung für Karlsruhe bereits am 19. August 1769 dekretiert worden war. Vielleicht handelt es sich hier um eine der damals beliebten Gastpredigten, die Tia während der Rast auf seiner Uebersiedelungsreise in Fürth absolvierte.

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