Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Testament Davids
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 5)
- Language
- German
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192 gründet und geschaffen, das kümmert unseren Verfasser nicht; er sonnt sich an der Macht und Klugheit Salomos. Diese Züge zeigt Salomo gleich zu Beginn seiner Regierung. Der Tyrann ist in seihen Mitteln nicht wählerisch. Da muß ein wenig Schönfärberei die dunklen Punkte retouchieren. Die Geschichte Davids bietet dafür Material und so entsteht ein Testament Davids, das zumindest einen Teil der Gewalttaten Salomos rechtfertigen soll. Das Ergebnis wäre demgemäß, daß der Verfasser von Kön 1 u. 2 nicht identisch ist mit dem Verfasser der Davidgeschichte, ferner, daß zumindest die drei letzten Punkte des Testaments apokryph sind und dem David in den Mund. gelegt werden. Eine andere Frage ist, ob David überhaupt ein Testament seinem Sohne hinterlassen, ,,letzte Worte“ an ihn gerichtet hat. Was vom Testament noch übrig bleibt, die Mahnung, dem Ewigen treu zu bleiben, ist eine allgemeine Wendung, die als väterliche Mahnung an den Nachfolger hingenommen werden kann, doch kann sie .auch beim Schwächezustande Davids und im Hinblick auf die Art der Thronbesteigung Salomos als eines Gewaltaktes der Hofpartei abgelehnt werden. Der Verfasser der Chronik gibt eine andere Darstellung. Nach ihm versammelte David die Stammesfürsten und andere angesehene Männer, und übergibt vor ihnen Salomo die Regierung und den Plan des Tempe 1 bau e s , dazu ermahnt er ihn treu gegen Gott zu sein. So wurde ,,der junge und zarte'4 Salomo von Gott erkoren, vom Volke zum Könige gewühlt und von allen Prinzen anerkannt1. Wenn er damit zugleich die Salbung Zadoks zum Priester berichtet, so deutet er damit an, daß er die Darstellung in Kön. 2 kennt2. Dem Verfasser der Chronik ist die Hauptsache als letzte Verfügung Davids der Tempelbau. Unser Verfasser hat diesen Hauptpunkt in seinem Testamente überhaupt nicht, obzwar wir ihn mit Recht darin erwarteten. Das ist ein Argument mehr für das Apokryphenhafte dieses Testaments. Die hier gebotene Darstellung führt zu folgenden bibelkritischen Resultaten. I. Der Verfasser von Kön. 1 und 2 ist nicht derselbe, der Samuel verfaßt hat3. II. Das Stück 2t-9 ist aus dem Ganzen nicht auszuscheiden, denn es ist die apokryphe Motivierung zum Stück 1 I Chron Kap. 28 und 29. 2 Ebd. 2922 ,,und sie wählten zum zweitenmal (vergl. 23! וימלך את שלבה ובנו על ישראל zürn König Salomo den Sohn Davids, salbten ihn vor Gott zum Fürsten לנגיד und den Zadok zum Priester.“ 3 Gegen Klostermann, der in der Einleitung zu seinem Comm. (Strack-Zöckler, Nördlingen 1887) zu den Büchern Sam und Kön sagt, daß das ganze Stück II Sam 10—20 einem zweiten Erzähler angehört, und von demselben Erzähler stammt auch die Erzählung von der Thronbesteigung Salomos und Davids Ende als ,,unentbehrliche Fortsetzung und Vollendung“. Ganz so Gornill, Einleit., V. Aufl. 1905, S. 125 und 129. Er verteilt die Erzählungen in Sam bis auf einen kleinen Rest auf E und J. Der Abschnitt I Kön Kap. 1—2 ,,bildet offenbar die unmittelbare Fortsetzung und notwendigen Abschluß der Davidsgeschichte in II Sam und von dem nämlichen Verfasser abstammt.“ Beide übersehen die riesige Verschiedenheit in der Charakterisierung Davids.