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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 191

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Das Testament Davids
Date
1927-01-01
Page
Seite 191 (sequence 4)
Language
German
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191 und Salomo nahm bei Lebzeiten des Vaters die Regierungszügel in die Hand. Er hielt sie straff, und es war keine Rede mehr von einer Königswahl. Adonija und seine Partei, die Verfassungsmäßigen, waren durchgefallen bevor es zur Wahl kam. Und wie sie vor dem neuen Könige zitterten! Er aber machte mit ihnen nicht viel Federlesens. Einer nach dem anderen büßte mit dem Leben die Gegnerschaft. Zuerst Adonija selber, dann der Hohepriester Ebjatar. Auch er war gleich Joab ein Jugendfreund Davids, sein Hofpriester1. Aber weil er es mit Adonija hielt, wurde er verbannt2. Dann kam die Reihe an Joab3. Er wurde im Tempel niedergemacht. Diese waren die Häupter der Gegenpartei und darum unschädlich gemacht. Von Schimei wird nicht berichtet, daß er es mit der Gegenpartei hielt. Doch als alter Saulianer konnte er einmal gefährlich werden, also mußte er auch verschwinden. Wie Salomo das angestellt hat, macht seiner Klugheit, richtiger seiner List, alle Ehre, aber das Rechtsempfinden kann sich damit nicht zufrieden geben4. Es ist ein analoger Fall mit dem Tode des Prinzen von Enghien, den Napoleon auf seinem Gewissen hat. Bei der Beurteilung dieses Geschehnisses soll jedoch nicht unbeachtet bleiben, daß Salomo eigentlich nicht anders handelte als jeder Sultan bis auf den heutigen Tag. Der eventuelle Thronanwärter und sein Anhang werden vernichtet. Salomo zeigt sich eben als orientalischer Despot. Der Erzähler läßt auch durchblicken, daß nicht die Ausführung des Testaments das Motiv Salomos war, sondern die Sicherung der Regierung von den Gegnern, denn er berichtet nach der Tötung Joabs, daß an dessen Stelle als Kriegsminister B e n a j a kam, und diejenige Ebjatars Z a d o k einnahm5. Benaja und Zadok waren Helfer Salomos bei seiner Thronbesteigung. Endlich berichtet der Erzähler nach Schimeis Tod ,,und die Regierung war fest in der Hand Salomos"6, d. h. nachdem alle Gegner vernichtet waren. Hingegen hören wir nichts davon, daß Salomo die Verfügung des Testaments, die Kinder B arsil aisin besondere Gunst zu nehmen, durchgefiihrt hat. Und das wäre gerade hier zu erwarten, wenn das Testament die Veranlassung gegeben hätte zur Tötung Joabs und Schimeis. Dem Inhalte nach ist der Anfang des Königsbuches die Fort- Setzung von Samuel, aber in Wahrheit tut sich da ein neues Blatt in der Geschichte Israels auf. Es ist ein anderer Schriftsteller, der hier einsetzt. Es ist ihm nicht daran gelegen, Davids Ende zu schildern, sondern den Anfang der Regierung Salomos. Wie David war, wie er regiert und geherrscht, was er getan und geleistet, ge- 1 I Sam 2 22023־. 2 I ICön 22627־ ,,Zu Ebjatar sprach der König: Nach Anatot gehe auf deine Felder, denn du bist ein Mann des Todes (warum?), aber heute will ich dich nicht töten, denn du trugst die Lade des Ewigen vor David meinem Vater, und weil du all die Mühsale mit meinem Vater gelitten hast.“ Warum ist Ebjatar ein Mann des Todes, weil er Adonias Anhänger war, und Adonia selber schon erledigt war. 3 Ebd. V. 28 ff. ,,die Nachricht (von Ebjatars Verbannung und Adonia’s Hinrichtung) kam zu Joab, denn Joab neigte, zu Adonia. . Das war seine Schuld, für die er mit dem Leben büßen mußte. 4 Ebd. V. 36—46. 5 Ebd. V. 35. 6 Ebd. V. 46 b.

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