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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 190

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Das Testament Davids
Date
1927-01-01
Page
Seite 190 (sequence 3)
Language
German
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190 Wieder will ihn Abischai der verdienten Strafe zuführen und wieder wehrt David ab, und schwört dem Schimei: ,,Du sollst nicht sterben“ 1. Das ist der ritterliche David, wie ihn die ganze Geschichte zeigt. Und dieser David sagt zu Salomo am Sterbebette: ,,Ich habe ihm geschworen bei Gott, ich werde dich nicht töten mit dem Schwerte; du aber laß ihn nicht frei ausgehen, denndubist einkluger Mann und wirst wissen, wie du es anzustellen hast, um sein Greisenhaupt mit Blut ins Grab zu bringen“2. Diese Anspielung sowohl bei Joab wie bei Schimei auf die Weisheit Salomos, gewissermaßen eine ruchlose Tat mit dem. Scheine der Gerechtigkeit zu umgeben, klingt als Heuchelei im Munde Davids, der auch seinen Gegner schätzt und beklagt (z. B. Saul und dessen Nachfolger Ischböschet). Nachdem nun dieses Testament mit seinen Rache- und Vergeltungsmotiven aus dem Bilde Davids im Samuelbuche nicht möglieh ist zu begreifen, ja, ihm vollkommen widerspricht, soll es vom Königsbuche aus beleuchtet werden. Der Anfang des Königsbuches, Kapitel 1 und 2, ist die notwendige Fortsetzung und der Schluß der Davidsgeschichte. Das erste Kapitel behandelt Davids Entthronung. Da nützt keine Schönfärberei. Die Hofpartei, bestehend aus dem Propheten Nathan, dem Priester Zadok, dem Leibwachenhauptmann Benaja, verbündet sich mit Bath-Scheba, überredet den alten körperlich siechen David abzudanken und den Thron Salomo zu überlassen. Das geht aus jedem Vers dieses Kapitels hervor. Es ist jedoch auch möglich, daß David zur Abdankung gezwungen, überrumpelt und vor das fait accompli gestellt wurde; Salomo wurde öffentlich am Gihon gesalbt und zum Könige ausgerufen. Die Rolle, die Salomo in dieser Erzählung spielt, ist bemerkenswert. Er ist im Hintergründe und tut nichts. Die Mutter interveniert, Nathan arbeitet mit Volldampf, Benaja und Zadok helfen mit, nur Salomo rührt sich nicht und wird von der Partei geschoben, Doch kaum hält er das Szepter in der Hand, lobt David seine Klugheit, und kaum schließt David die Augen, zittert alles am Hofe vor dem neuen Herrscher. Das ist keiner, der sich schieben und leiten läßt, sondern einer, der seinen Willen hat und selber weiß, was ihm frommt und nützt. Dann ist es wahrscheinlicher, daß Salomo selber die Fäden in den Händen hielt zur Palastrevolution, die ihn auf den Thron brachte, und die anderen Personen nur seine Mitarbeiter waren. Die Sache ist so eher verständlich. David war alt geworden, körperlich siech, sein Ende war nahe. Die Erbfolge war nicht geregelt. Noch Salomos Sohn, Rehabeam, mußte sich der Königswahl in Sichern unterziehen, und wurde vom Volke abgelehnt3. Demnach hätte auch nach Davids Tod eine Königswähl vor sich gehen müssen. Es ist nun begreiflich, daß der ältere Sohn Davids, Adonij a, Anhänger warb, um bei der Königswahl durchzudringen. Der Mann tat nichts Unrechtes. Aber Salomo und seine Partei sind ihm zuvorgekommen. Sie ließen David abdanken oder zwangen ihn dazu (das ist ganz gleichgültig) 1 II Sam 1 6s13־. * I Kön 28-8. 8 Ebd. 12^.

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