Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Ritualmord und Eselskult
Date
1927-01-01
Page
Seite 185 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829943-2829947-2833933--47553-2833992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 Beispiel ist aber wohl das sprichwörtlich gewordene ״aurum Tolosanum", das 70m Consul Caepio im Jahre 121 v. Ch. aus dem gallisehen Heiligtum bei Toulouse erbeutete Gold. ,,Dieser Tempelraub/' sagt unser Gewährsmann1, ,,war die Ursache des Unterganges des Caepio und seines Heeres/' ,,Wer bei dieser Plünderung das Gold sich angeeignet hatte, der starb eines elenden und martervollen Todes/' erzählt ein anderer2 3. Wir wissen nun, daß Caepios Sturz durch eine bestimmte parteipolitische Konstellation bedingt wurde* Desto bemerkenswerter, welche Rolle sein Sacrilegium in unserer Tradition spielt: sie ist ihrerseits zuletzt offenbar von der zeitgenössischen politischen Agitationsliteratur abhängig. Auch in der politischen Literatur der S e 1 e u ־ kidenzeit spielt diese Bezichtigung ihre Rolle. Alexander Zabinas war ein Abenteurer, den die Ptolemäer auf den syrischen Thron setzten und dann zu gegebener Zeit zu Fall brachten. Diodor (XXXIV, 27 L), dessen Darstellung letzten Endes auf die Parteiberichte, wie sie uns jetzt durch das Bulletin des Ptolemaios III. bekannt geworden sind4, zurückgeht, stellt die Sache ganz anders dar. Zabinas versucht die Tempelplünderung inAntiochia, aber erfolglos, er flüchtet nach Seleukia, die Stadt schließt ihre Tore vor dem Tempelschänder. Die Gottesrache heftet sich ihm, ״wie üblich", sagt Diodor, auf die Fersen und zwei Tage nach dem Sacrilegium ist Zabinas schon Gefangener seines Gegners. Aus Strabo wissen wir, daß Antiochos III. beim Versuche, Bels Tempel in Elymais zu plündern, umgekommen ist. Nicht ohne Humor fügt Strabo hinzu, daß der parthische König — es war Mithridates I. — dadurch gewitzigt, mit größerem Heere kam und den Raub erfolgreich durchführen konnte5. Lesen wir aber den Ausgang des Königs wieder bei Diodor, so erfahren wir nicht nur, daß er ein Lebensende fand, wie es ihm ziemte, sondern auch, daß die Römer, seine Gegner, dagegen ihrer frommen Handlungsweise wegen, ״die Götter als Bundesgenossen in allen ihren Unternehmen besaßen" (Diod. XXVIII, 3). Es ist bekannt״ daß unsere Tradition den Tod des Epiphanes in Zusammenhang mit seinem Plünderungsversuch eines anderen Tempels in Elymais setzt, und daß diese Vorstellung sogar in der jüdischen Tradition deutlich genug hervortritt. Der König hat aber in Wirklichkeit seinen Plan gar nicht ausgeführt, starb vielmehr bei der Vorbereitung des Angriffes. Wenn unsere Ueber- ‘ lieferung trotzdem von der Gottesrache spricht, beweist sie wieder, welche Rolle das Motiv in der Agitationsliteratur gespielt hat6. Auch 1 Gellius III, 9, ל. 2 Justin XXXII, 3, 9. 3 F. Münzer, Die römischen Adelsparfceien (1921) 291 ff. 4 Wilcken, Chrest. d. Papyruskunde, 1. Zum Texte s. zabtzt W. Crönort in ,,Raccolta G. Lumbroso1925) ‘•׳). 5 Strabo XVI, 44ל. Vgl. E. Meyer, Ursprung d. Christentums II, 260. 6 Vgl. über den Tod des Epiphanes E. Meyer a. a. O. II, 220 f.; M, Holleaux, Rev. et. ancienn. 1916, 11 ff. — ,,Poenas tanti sacrilegii“ Gran. Licin. p. 6 Flem. — II Macc 1, 12 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.