Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ritualmord und Eselskult
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 12)
- Language
- German
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182 geschrieben, um ״e#7r^y?«cff hetvorzurnfen1, ,,Plena tragoediae“, wie Josephus sie treffend charakterisiert. Beachten wir die Wortwähl und die Szenerie: der erstaunte König, der sich ihm zu Füßen werfende Grieche, der Kontrast zwischen der anfänglichen Freude des Gefangenen und dem wahren Tatbestand (laetitia — suspicio־ — stupor — ac postremo), das dramatische Motiv, daß der König erst in zwölfter Stunde kommt (paucos iam dies sibimet superesse), der Effekt des Unerwarteten, um dessen willen das Motiv der Mästung dreimal erwähnt wird: erst am Schlüsse erfahren wir den Sinn der Geschichte. 6״ Apions Quelle. War Apion der Verfasser der Erzählung und welche Bedeutung hatte sie? Josephus weiß die Antwort zu geben: Apion entnahm die Fabel den griechischen Schriftstellern, die den Antiochus Epiphanes und sein Vorgehen rechtfertigenwollten (II, 90) , ,isti vero . . . studuerunt defendere sacrilegum regem . . . volentes enim Antiocho praestare et infidelitatem ac sacrilegium eius tegere“; (II, 97) ,,non tarnen a sacrilegio privat Antiochum, sicut arbitrati sunt, qui haec ad illius gratiam conscripserunt“. Der oben dargestellte künstliche und rhetorische Charakter der Geschichte sowie der ,,topos“ von der ,,conjuratiof ‘ paßt zu dieser Behauptung; ich glaube, daß Josephus vollkommen recht hat und wir noch in der apionischen Geschichte ein interessantes Fragment der hellenistischen Agitationsliteratu r. besitzen. In diesem Zusammenhänge wird auch das Motiv des Haßeides verständlich. ,,Odium generis humani“, das man hier den Juden und später den Christen vorwarf und die Bildung der Verschwörung zu diesem Zwecke war wohl eine viel verbreitetere Behauptung der hellenistischen politischen Propaganda als unsere Ueberlieferung noch erkennen läßt. Als der alte Cato, auch ein Zeitgenösse des Epiphanes, an seinen Sohn schrieb, er solle sich vor den griechischen Aerzten hüten: ,,Sie haben unter sich geschworen, daß sie alle Nichtgriechen durch Arznei töten werden, aber sie machen das nur für Lohn, damit man ihnen vertraut und sie so die Anderen leicht zugrunde richten können“ (Plinius, Hist. nat. XXIX, 14: ,,iurarunt inter se barbaros necare omnes medicina, sed hoc ipsum mercede faciunt, ut fides iis .sit et facile disperdant“), folgte er gewiß einem bestimmten Schema der Propaganda. 7. Die Publizistik. Der jahrzehntelange Kampf der Makkabäer gegen die Seleukiden war, von höherer politischer Warte gesehen, eine Teilerscheinung im weltgeschichtlichen Prozeß der Auflösung des syrischen Reiches. Schon im Jahre 164 v. Ch. interveniert Rom für die Juden. Sein Druck, die parthische Gefahr, und, vor allem, die von Nachbarn geschürzten oder unterstützten dynastischen Wirren der Seleukiden spielten eine entscheidendere Rolle in der 1 Darauf hat mich mein Freund Dr. Hans Levy in Berlin hingewiesen, der auch sonst durch Rat und Tat diese Arbeit kräftig förderte. Er erinnert mich auch an die bekannte, von Reitzenstein (Hellenist. Wundererzählungen) behandelte rhetorische Anweisung: ,,illud genus narrationis, quod in personis situm est,. debet habere spern. metum, suspidonem, desiderium . misericordiam, rerum varietates, fortunae commutationem, insperatum incommodum subitam laetitiam, iucimdum exitum rerum“ (Rhet. ad. Herenn. I, 8, 12).