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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 181

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Ritualmord und Eselskult
Date
1927-01-01
Page
Seite 181 (sequence 11)
Language
German
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81־1 könig nie und niemals aufgegessen wird. Besonders bezeichnend ist das mexikanische Beispiel: die Altmexikaner verzehrten im sakramentalen Essen alle ihre unzähligen Menschenopfer — mit Ausnahme des Abbildes des Gottes Tezcatlipoca* 1. Mag der ,,Saturnalienkönig“, wie es im syrischen2, mexikanischen und wohl albanischen Kult3 war, ein Gottesabbild sein ־und periodisch sterben, um die Kräfte des Gottes zu erneuern, mag er, wie es in Massalia und bei zahlreichen primitiven Völkern der Fall ist, ein Sündenbock sein, immer würde sein Aufessen dem Sinne des Brauches total widersprechen4. Offenbar stehen die Erzählungen vom jüdischen Eide und vorhSaturnalienkönigan sich ink einem Zusammenhänge. Jene gibt einen Gemeinplatz der hellenistischen politischen Rhetorik wieder, diese beschreibt einen sakralen Brauch in irgendwelchem syrischen oder kleinasiatischen Tempel. Die Stelle, wo die beiden Berichte zusammengenäht sind, ist noch deutlich: ,,et deductum ad quandam silvarn occidere quidem eum hominem eiusque cprpus sacrificare secundum suas sollemnitates“. Einen schon Toten zu opfern, ist etwas zu spät, der ethnographische Bericht schließt folglich mit ,,occidere . . . hominem“. Der Verfasser der Erzählung hat somit an eine Geschichte nach der Art der hellenistischen politischen Literatur eine ethnographische Darstellung, deren Sinn ihm natürlich ebensowenig zugänglich war, wie sogar einem Strabo der des albanischen Ritus oder sonst den Griechen der Busiris-Legende5 usw., angenäht. Er tat es wohl, um die Sache mit dem Eid glaubwürdiger zu machen, um den Jerusalemer Tempel zu treffen usw., aber auch um die Geschichte rhetorisch wirksamer zu gestalten. Sie ist nämlich nach allen Regeln der Kunst den meisten ,,Saturnalienkönig“-Berichten vor. D) Die Jahresfrist: J. G. Frazer, Scapegoat, 224: ,,the interval between the celebration of the ceremony is commonly a year“. E) Fester Terminus: Rhodos am 6. Metageiton, 18. Dezember im syrischen Kulte (Boll, Arch. f. Religionswiss. 19, 342 ff.). F) Das Opfer soll in Unkenntnis seines Schicksales sein. Das ist eine auch sonst allgemein verbreitete Forderung: ,,ne flebilis hostia immolaretur“. Die nordamerikanischen Pawnis ernährten ihre künftigen Opfer mit erlesener Kost, lassen es aber in Unkenntnis seines Schicksales (J. G. Frazer, Spirits I, 238; zur Deutung des Ritus vgl. Westermarck I, 372). Das Leben aus dem Vollen und freiwilliger Tod auch in Dasius-Akten (s. dazu W. Weber in Arch. für Religionswiss. 19, 316 ff.), auf Rhodos wird das Opfer vor dem Tode mit Wein getränkt (Porph. de abstin. II, 54) usw.« G) Die Opferung erfolgt außerhalb der Stadt: Albanier, Massilia, Abdera, Halos (Herod. VII, 197). 1 Darauf hat zue rst wohl E. Reuterskiold, Der Ursprung des Speise- Sakraments (1912) 94, 7 hingewiesen.. 2 W. Weher, Arch. f. Religionswiss. 19, 316 ff. Boll ibid. 342 ff. 3 Diese neue Deutung Frazers in der dritten Ausgabe seines ,,Adonis, Attis, Osiris66 scheint entsprechender zu sein, als die in Scapegoat, 288 (der Sündenbock) gegebene. Vgl. auch Wolfram, Strahos Nachrichten über primitive Religion, Diss. Bonn 1922. 4 Die Verzehrung eines.solchen Opfers, wurde wohl nur in einem Agrarritus denkbar. Dann würden wir ab3r erwarten, daß der Ritus auf irgendwelche Weise mit Saat oder Ernte Zusammenhänge, etwa Teile vom Opfer der Saat beigemischt usw., s. z. B. Frazer, Spirits of Gorn, II, 20.' 5 Vgl. dazu J. G. Frazer zu Apollodor. II, 116 (London 1921).

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