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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 179

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Ritualmord und Eselskult
Date
1927-01-01
Page
Seite 179 (sequence 9)
Language
German
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9ד1 jerlich sie fingen einen von den, auff welche sie zihen wollten im krieges weise, und bunden in an einen bom, aber nicht an die eichen, und schossen im nohen stundein sein hextz“. Nach dem Blutfließen beurteilen sie dann den Ausgang des Krieges. Noch jetzt pflegen die Bakitara (Uganda) das Herz des ersten Gefangenen den Fetischen zu ־weihen* 1. Am nächsten steht aber der apionischen Erzählung wohl die rituelle Tötung des Vertreters des Feindesstammes, wie sie in Rom vorkam2. Orosius (4, 13, 4), als er den ersten Fall dieser Art, im Anfänge des für die Römer verderblichen gallischen Krieges erwähnt, formuliert klar die damit zusammenhängenden Vorstellungen: ״Diese magische Bindung wandte sich aber sogleich gegen sie. Denn die Fluchkräfte, die sie durch den Tod der Fremden erzeugt hatten, mußten sie mit grausigen eigenen Verlusten sühnen“. Der jüdische Ritus bezweckt offenbar auch die Griechen magisch zu binden. Seine jährliche Erneuerung soll seine Wirksamkeit noch erhöhen. 5. Der Tempelgefangene» Mit dem einheitlichen und eindeutigen Bild der jüdischen ״con j uratio“ zum Verderben der Hellenen steht im klaffenden, obwohl bisher nicht beachteten, Widerspruche der erste Teil der Erzählung: die Geschichte vom Gefangenen, der ein Jahr lang für die Opferung gemästet wird. Es kommt oft vor, daß man das Menschenopfer bis zum Feste bewahrt3 und anderseits streben die Kannibalen danach, zu ihrem Schmaus gut ernährte Menschen zu haben: die Bambola in Kongo pflegten z. B, für Bundesschlüsse einen Sklaven eigens zu mästen4. In unserem Falle wird aber das Opfer gar nicht verzehrt, vielmehr werden, wie ausdrücklich betont wird, seine Reste in eine Grube geworfen und auch von seinen Eingeweiden wird nur gekostet. ״Saginare“, ״füttern“ hat dabei keinen Sinn, insbesondere die Mästung, die genau ein Jahr dauern soll! zweifelt (siehe H. Bertuleit in Sitzb. d. Altertumsgesellschaft ,,Prussia“ 25 (1924) 35 ff.). Ueber die Gefangenenopfer der alten Preußen haben wir aber auch sonstige Nachrichten, siehe Bertuleit a. ä. O. und F. J. Mone, Gesch. des nordischen Heidentums (1822) I, 90 f. 1 J. Roscoe, The Baldtara, Cambr. 1920, 311. Andere ethnographische Parallelen z. B. bei M. Gulloch in Hastings Enc. of Rel. III, 204 f. W. Foy, Arch. f. Religionswiss. X, 545. 2 Ich folge in der Deutung des Ritus R. Wünsch in Hastings Enc. of Rel. VI, 866 (vgl. auch F. Schwann, Die Menschenopfer bei den Griechen und Römern, 148 ff.). Die an sich verlockende neue Interpretation von G. Gichorius, Römische Studien, 7 ff., und G. Wissowa (Arch. f. Religionswiss. 22,1923, 201 ff.) widerspricht doch dem Zeugnis des kompetenten Plinius (h. n. 28, 12): ״Boario vero foro Graecum Graecamque defossos aut aliarum gentium cum quibus tum res esset, etiam nostra aetas vidit. Guius sacri precationem . . . si quis legat, profecto vim carminis fateatur, omnia ea abprobantibus 830 annorum eventibus“. 3 Z. B. bei den Khonden,^Aschanti (J. G. Frazer, Spirits of the corn and of the wild I, 246; II, 63. ' 4 Bambola: Westermarck, Ursprung der Moralbegriffe II, 454; vgl. noch z. B. Job. H. Weeks, 30 Jahre am Kongo (1914) 78; Thurnwald in Realiex. f. Vorgesch. VI, 208; Th. Koch, Intern. Arch. f. Ethnogr. 1899, 78. 12*

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