Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ritualmord und Eselskult
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
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174 durch dessen Berührung herzustellen. Man muß in weit weg liegenden Ländern des fernen Ostens oder Ostafrikas suchen, um den Schwur beim Genuß des Eidopfers zu finden1, der letzten Endes wohl auf die kannibalischen Vorstellungen zurückgeht: das Los des Tieres ist das Vorbild des Schicksals des Meineidigen, und der Batak, der, nach diesem Ritus schwörend, ein Stück vom Herzen des Eidopfers verzehrt, spricht die Verwünschung aus, er wnlle beim Eidbruche ebenso verschlungen sein. Wir dürfen aber nicht glauben, daß der Verfasser der apionischen Geschichte eine Kunde von den Batak oder Tungusen erhalten öder etwas ähnliches bei irgendeinem primitiven Volke beobachtet habe. Vielmehr war der dem Leben unbekannte Zug in einem Winkel der griechischen Publizistik lebendig: bei Darstellung .einer Verschwörung. Josephus selbst nennt die von Apion be~ schriebene Handlung: ,,eine Erneuerung der Verschwörung beim Vergießen des Opfeiblutes“ (II, 99: ,,renovata conjuratione per effusionem sanguinis2“). Ein paar Beispiele mögen die Verwendung des Gemeinp 1 a t z e s (,,topos“) der kannibalischen Eidmahlzeit■ in der hellenistischen Literatur zeigen. Die Anhänger des vertriebenen Tarquiniüs wünschen ihre ,,conjuratio“ gegen die junge römische Republik zu festigen: ,,man: beschloß, daß alle einen gewaltigen und furchtbaren Eid schwörten, dabei das Blut eines geschlachteten Menschen (statt eines Weinopfers spende) vergießen und seine Eingeweide berühren sollten“ (Plut. Popl. 43). Das Kosten von den Eingeweiden tritt in der Verschwörung״ die den bestverhaßten Tyrannen der Diadochenzeit, Apollodoros von Kassandreia, zur Macht gebracht hat, hervor (Diodor XXII, 5): ,,Apollodor, der einen Angriff zur Erreichung der Tyrannis vorbereitete und der Meinung war, daß er das Band der Verschwörung festigen müsse, ließ einen Jüngling, mit dem er befreundet war, rufen, indem er vorgab, er solle zum Opfer kommen, schlachtete ihn als Opfer für die Götter, gab seine Eingeweide den Verschworenen zu kosten und forderte sie auf, dessen Blut, das er mit Wein gemischt hätte, zu trinken4.“ 1 Ich finde folgende Beispiele: Battak und Passamah auf Sumatra (Lasch, 85 f.), Malanaus auf Borneo (Frazer I, 407, 2); auf Timorlaut (Lasch, 86); die Tungusen in Sibirien (Lasch, 51), Luschei Kuki in Assam (Frazer I, 390), in Annam (Lasch, 87), Tibet (Frazer I, 394); Karamojo in Ost-Afrika (Lasch 87). 2 Die politische Literatur verzerrte dabei und vergröberte irgendwelche Mysterienriten. S. .Reinach, Cultes, mythes et religions V (1923) 237. Vgl. die Schwurvorschrift der Andania-Inschrift (Ditteiiberger, Syll. 737) und Plato״ Oritias 119 ff. — Der Abenteuerroman benutzte später neben dem Motiv des Menschenopfers (z. B. Xenoph. Ephes. II, 13) auch das der rituellen Verzehrung־ der Eingeweide eines solchen Opfers (Achill. Tatius III, 13). — Zum Initiations־- eid in Mysterien vgl. R. Reitzenstein, Hellenist. Mysterienrelig. 3 (1927), 109 f.״ 116, 195 f. ' . V ' ' 3 :opxov ojjioaat xai oetvov, avfrpohccu acpcqivTpc; .imo׳moav׳tas .atjir 3uzi x&y G%hd'1yyw O'qovxai;. •; 4׳Tä te 07:Xd^yya Tote; G0vbjufett3tv soa>xs tpcrfstv xcu “6 •'xspccaa«; ©tv<j> ׳juslW TWpsxeXeuaaTb«