Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte religiöser Bräuche
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
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170 •schneidungsakte solle ein Ehrensitz für den Propheten Elia bereitet werden“1. Dem Vater des Kabbalisten Isaak Luria, R. Salomo Luria, erschien Elia und ermahnte ihn, seinen neugeborenen Sohn erst zu beschneiden, wenn er, der Prophet, im Hause erscheinen werde, um bei dem Beschneidungsakte das Amt des Gevatters zu übernehmen. Am Tage der Beschneidung erschien dann der Prophet und nahm, nur dem Vater des Knaben sichtbar, auf dem ״Stuhl ־des Elia“ Platz2. In manchen Gemeinden brennt über dem im Gotteshause aufgestellten Stuhl des Elia eine ewige Lampe wie vor der “heiligen Lade; in anderen Gemeinden wird der Knabe nach der Beschneidung auf den Stuhl des Elia gelegt, damit das Kind den Segen des Propheten empfange3. Bei den Juden in Nordafrika wird in der ersten Woche nach der Geburt eines Knaben Abend für Abend ‘׳ein Festmahl für Verwandte und Freunde veranstaltet; das Mahl des ersten Abends wird das ״Mahl des Propheten Elia“ genannt4. In seinem apologetischen Werke ,,Magen Abraham“ polemisiert Abraham Farissol (geboren 1451) gegen christliche Gelehrte, die das Erscheinen Christi im Abendmahl mit dem leiblichen Erscheinen des Propheten Elia bei dem Beschneidungsakte vergleichen, und erklärt, daß nicht etwa Elia selbst bei jedem Beschneidungsakte erscheine und auf dem Stuhle Platz nehme. Vielmehr habe der Stuhl ׳des Elia eine symbolische Bedeutung; er solle an den Propheten erinnern, der für die Beschneidung geeifert habe5. So ist der Stuhl *des Elia zu einem religiösen Symbol im Judentum geworden. Wie das Judentum fremde Sitten in jüdische umgeprägt hat, beweist auch der ,,Kelch des Elia,“ der am Sederabend des Passahfestes auf den Tisch gestellt wird. In Rom legte der Hausherr, wenn er vor dem Sitze des Lar familiaris mit dem Gesinde die täglichen Mahlzeiten einnahm, auf ein Schüsselchen dem Hausgotte seinen Anteil hin6. Am!6. Januar, dem Tage der heiligen drei Könige, setzte man in einzelnen Gegenden Deutschlands etwas von den Ueberresten der Speisen für die geisterhaften Wesen hin, , die in der Nacht umgingen, für die Frau Berchta und die Engel. Zu Rothenkirchen im Frankenwald stellt der Bauer, ehe er in der Dreikönigsnacht zu Bett geht, einen Krug Wasser und einen Brotlaib auf den Tisch und lädt die heiligen drei Könige zu Gaste. Auch von den übriggebliebenen Fastnachtsspeisen opfert man für die Engel. Im östlichen Odenwald ist es Brauch, wenn in der Fastnacht das Abendessen auf dem Tisch steht, eine Zeitlang das Fenster zu öffnen, damit die Engel sich satt essen können; dann erst setzt man sich zum Essen nieder7. So wurde überall von den Speisen und Getränken des Festmahls den Engeln und guten Geistern gespendet. Im Judentum dagegen wurde es Brauch, daß am Sederabend ein Kelch gefüllt und für den Propheten Elia hingestellt wird. Dann wird die Tür geöffnet, damit der Prophet 1 Schibole ha-leket ed. Buber 376. 2 Glassberg 233, vgl. Guttmann העתיד,-V 16. 3 Glassberg 232.. 4 Glassberg 179 aus David Gordon מפעי, ישד8ל. 5 Glassberg 288 f. העתיד, V ,16. 6 Wissowa, Religion und Kultus dei' Römer, München 1902, 345. •7 -Sartori, Sitte und Brauch III 74 und Note 10, 113, Note 97.