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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 169

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte religiöser Bräuche
Date
1927-01-01
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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B69 Der Brauch; das Erste vom Trank und vom Brote den Geistern zu opfern, ist uralt; demgegenüber forderte das jüdische Gebot; daß das Erste der Backtröge als Hebe äeni Ewigen oder als .Gabe dem Priester gegeben werde, der des Ewigen Diener ist1. Isaak Antiochenus erzählt; daß man in seinen Tagen dem Glücksgotte Gad auf den Dächern lectisternia bereitete2; d; i., einen Tisch füllte. Zur Zeit des Deuterojesaja huldigten1 auch Juden den Schicksalsgottern Gad und Meni:; sie setzten den Schicksalsgöttern Speisen vor und weihten ihnen Gaben3. Ina Talmud wird das ״Bett des Glücksgottes“ erwähnt, und aus der Erklärung Raschis erfahren wir: ״Es war dies ein Bett, das für einen Geist äufgestellt wurde und auf dem niemand schlief/' Oder: ״Es war Sitte in einem Zimmer ein Bett oder einen Tisch aufzustellen, die nicht benutzt wurden und nur für den Hausgeist dastanden"4. Im alten Rom wurde bei der Geburt eines Kindes im Atrium des Hauses für Pilumnus und Picumnus ein lectus errichtet; d. h. ein Mahl bereitet. Der Name des Pilumnus, dem man das Mahl bereitete, mir de dahin erklärt, daß er der Gott sei, der den Kindern Hilfe gegen Krankheiten bringe5 *. Bei den Juden im Mittelalter pflegte man in der Nacht vor der Beschneidung eines Knaben einen Tisch mit Speisen dem Schutzgeist des Knaben hinzustellen, was von R. Jerucham b. Meschullam (um 1334, aus Frankreich nach Spanien eingewandert) und seinen Lehrern verboten wurde5. Die Sitte, dem Glücksgotte Gad ein Bett hinzustellen oder dem Schutzgeiste des Kindes ein Mahl zu bereiten, wurde vom Judentum bekämpft, aber in einer anderen, geläuterten und dem jüdischen Geiste entsprechenden Form angenommen. Im Gegensätze zum ״Bett des Glücksgottes," zum lectus des römischen Gottes Pilumnus,. der als der Beschützer der Kinder vor Krankheiten galt, und auch im Gegensätze zu dem Mahle, das in der Nacht vor der Beschneidung dem Schutzgeist des Knaben bereitet wurde, entstand im Judentum die Sitte, daß bei dem Beschneidungsakte, der im Hause oder Gotteshause stattfand, der ״Stuhl des Elia" hingestellt wurde. ״Der Heilige,, gelobt sei er, sprach zu Elia: du eiferst für den Bund, bei deinem Leben, ich schließe.mit dir einen Bund des Friedens . . . ., in Israel soll keine Beschneidung vollzogen werden, die du nicht mit deinen Augen schauen wirst. Darum setzten die Weisen fest, daß dem Propheten Elia als Engel des Bundes bei jeder Beschneidung ein Ehrenplatz bereitet werde"7. Elia zu Ehren wird ein Stuhl hingestellt,, der vor der Beschneidung laut genannt wird: ״dies ist der Stuhl des Elia;" sonst erscheint der Prophet nicht8. R. Zidkija b. Abrahamschreibt: ״In den Halachot gedolot des R. Simon aus Kahira habe ich gefunden, daß die Rabbinen eingeführt haben, bei jedem Be- 1 Num 152021־, Ez 4430. 2 Paul Scholz, Götzendienst und Zauberwesen bei den alten Hebräern, Regensburg 1877, 410. 3 Jes. 65n. 4 Nedar. 56a. Sanh. 20a. M. kat. 27a und Rasclii z. St. 5 Samter, Geburt, Hochzeit und Tod 58. 4 Schulchan aruch Jore dea 17831791־?. ’ P. D. R. El. 29. ' 8 Binl. z. Sohar 13a.

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