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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 167

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte religiöser Bräuche
Date
1927-01-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 die Hexe von ihr fortzutreiben1. Bei den Juden des Mittelalters füllten Freunde des Hauses die;,Wachnacht“ vor der Beschneidüng eines Knaben mit Torastudium aus, um die Mutter vor Behexung zu schützen2. In Jerusalem wachen noch in der Gegenwart in der Woche nach der Geburt eines Knaben Freunde des Hauses, die jede Nacht im Zimmer der Wöchnerin Tora lernen. Im Zimmer der Wöchnerin wachen dort auch Frauen, die auch nach der Geburt eines Mädchens in das Haus gerufen werden, um die Mutter vor Bösem zu schützen3. Die Sitte in der ,,Wachnacht“ finden wir aber auch an einer Stätte, wo vom Dämonenglauben keine Rede sein kann und an die Furcht vor bösen Geistern nicht gedacht worden ist. ״Am Vorabend des Versöhnungstages ließ man im jerusalemischen Tempel den Hohepriester nicht viel essen, weil das Essen den Schlaf bewirkt“4. Der Hohepriester mußte die ganze Nacht wach bleiben, ,,Wenn er ein Gelehrter war, hielt er einen Vortrag, sonst trugen Gelehrte in seiner Gegenwart vor; wenn er des Lesens kundig war, las er selber vor, sonst wurde ihm vorgelesen und zwar aus den Büchern Hiob, Esra und der Chronik“5. Die Vornehmen in Jerusalem schliefen in der Nacht vor dem Versöhnungstage nicht, damit der Hohepriester Geräusch vernehme und nicht einschlafe. Abba Säul sagte: Auch in der Provinz pflegte man zur Erinnerung an den Tempel in der Nacht vor dem Versöhnungstage zu wachen6. Wie später in der Kirche die Katechumerien in der Nacht vor der Taufe unter *Gebeten wach bleiben mußten7, so wachte in alter Zeit auch der jüdische Hohepriester in der Nacht vor dem Versöhnungstage, an dem er in das Allerheiligste des Tempels gehen mußte. Die ,,Wachnacht“ vor dem Versöhnungstage wurde später auch außerhalb des Tempels von den Kabbalisten, innegehalten; sie blieben wach und füllten die Nacht aus mit dem Studium der Vorschriften über den Versöhnungstag und mit dem Absingen von Hymnen8. Von den Kabbalisten wurde das Wachen auch für die Nacht vor dem ersten Tage des Wochenfestes und vor dem Hoschanatage eingeführt. Wie der Verfasser des Sohar meint, pflegten schon die Frommen der Vorzeit in der Nacht vor dem ersten Tage des Wochenfestes wach zu bleiben und Tora zu lernen9; so bereiteten sich die Frommen für die Offenbarung am Sinai vor, die sie am kommenden Tage gleichsam von neuem empfangen wollten. Der Hoschanatag, ursprünglich ein Freudentag, erhielt im Judentum später den Charakter eines Bußtages und wurde dem Versöhnungstage gleichgestellt. In seinem Sammelwerke Schibole ha-leket berichtet R. 1 Samter, Geburt, Hochzeit und Tod 134.. 2 Güdemann III 103 und Note 2. 3 Luncz 12.. 4 M. Joma i4. Obadja Bertinoro z. St. ומונעיס ממנו לגמרי כל מאכל המביא לידי חמום וקרי־, vgl. Joma 18a. 5 M. Joma lg. 6 Joma 19b. 7 Can. Hippol. § 111. Kroll 35, Note 1. 8 Elbogen, Der jüdische Gottesdienst 388. 9 Sohar Emor 98a. Ein visionäres Erlebnis des Salomo A1 k a bt.e z mag die Verbreitung der Sitte gefördert haben: Horodetzky im deutschen Probeheft der Eschkol-Enzykl., S. 33, der auf Baers Einl. zumRödelheimer תקון ליל שבועות verweist.

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